Typen der Immunisierung

aktive und passive Impfungen

Ständig kommt der menschliche Organismus mit Erregern unterschiedlichster Art in Kontakt. Er verfügt deshalb über mehrere Schutzfunktionen. Neben einem unspezifischen Abwehrsystem gibt es eine spezifische Immunabwehr. Sie kann gezielt nach einem vorherigen Kontakt erneute Kontakte abwehren.

In unserem Beispiel hat die Person (Bild rechts) ohne vorherigen Erregerkontakt keinen Schutz. Es kommt nach einem Kontakt zur Erkrankung. Im Wesentlichen kommt es über zwei Pfade zu einer spezifischen Immunantwort (T-Lymphozyten: zelluläre Immunantwort; B-Lymphozyten: humorale Immunantwort mit Antikörpern). In der Abbildung sind nur die Antikörper dargestellt. Das Wissen um die Erreger wird in Gedächtniszellen gespeichert und der Körper ist vor neuen Angriffen gefeit.

passive Immunisierung

Es gibt nun Krankheiten, bei denen man oben aufgezeigten Weg vermeiden möchte. Eine Erkrankung hätte ein hohes Risiko für Leib und Leben (z.B. Tetanus, Tollwut,...). Bei einem Erregerkontakt ist ein schnellst möglicher Schutz gewünscht. In diesem Falle behilft man sich mit Antikörpern, die von anderen Menschen oder Tieren gewonnen wurden. Sie werden als Impfung dem Impfling injiziert. Das Immunsystem des Impflings muss keine eigenen Antikörper mehr bilden, es bleibt sozusagen passiv bei der Antikörperbildung. Nachteil ist die zeitlich begrenzte Wirkung über einige Monate.

Hinweis: nach einer passiven Immunisierung (und einer Gabe von Vollblut) muss ein Abstand von mind. 3 Monaten zu der nächsten Immunisierung eingehalten werden. (vgl. Kontraindikationen)

Den Nestschutz, also die diaplazentar (über die Gebärmutter) auf das Kind übertragenen Antikörper (IgG), könnte man auch als "passive Immunisierung" bezeichnen. Ohne mit dem Krankheitserreger Kontakt gehabt zu haben, besitzt das Neugeborene einen Schutz. Nach der Geburt werden die Antikörper kontinuierlich vom Säugling abgebaut. Ein Schutz bleibt zwischen 6 Wochen und 4-6 Monaten bestehen. In geringem Maße werden die Antikörper auch durch die Muttermilch beim Stillen dem Säugling zugeführt.

aktive Immunisierung

Bei der aktiven Immunisierung wird das körpereigene Immunsystem hingegen aktiv. Ohne die eigentliche Erkrankung mit all ihren Risiken möchte man einen dauerhaften Schutz erreichen. Man bedient sich hierbei verschiedener Methoden, um diese spätere Immunität zu erzeugen. Als Möglichkeiten einer Immunisierung stehen zur Verfügung:

In dem aufgeführten Beispiel ist eine Impfung mit Erregerbestandteilen dargestellt. Der Impfling wird immunisiert. Bei abgetöteten Erregern oder Erregerbestandteilen meist mehrfach. Das Immunsystem erkennt das Fremdeiweiß und reagiert. Im Beispiel ist nur die Bildung der Antikörper gezeigt (humorale Immunität). Es werden aber entsprechend auch Immunzellen gebildet.

Bei einem Kontakt mit dem natürlich vorkommenden Erreger kann das Immunsystem rasch reagieren. Die Hüllenproteine in unserem Beispiel werden erkannt und der Erreger kann vernichtet werden (z.B. HBsAg bei Hepatitis B). Bei anderen Totimpfstoffen wird eine Immunität häufig nur gegen das Toxin (Gift) des Erregers (z.B. Tetanus) erzeugt. Die Erreger selbst sind für den menschlichen Körper weitgehend ungefährlich.

Im Unterschied zur passiven Immunisierung bleibt die Immunität langfristig bestehen. Ob nach einem Zeitraum (z.B. Tetanus alle 10 Jahre) eine Auffrischungsimpfung nötig ist, hängt vom verwendeten Impfstoff ab. Die Mumps-Masern-Röteln-Impfung als Lebendimpfung muss zum Beispiel nach einer erfolgten Grundimmunsierung nicht mehr aufgefrischt werden. Hier wird eine lebenslange Immunität erzeugt.

  aktive Impfung passive Impfung
Agens abgeschwächte Erreger (Lebendimpfung)
abgetötete Erreger (Totimpfstoffe) oder
Erregerbestandteile (Totimpfstoffe)
erregerspezifische Antikörper

(meist menschlicher Herkunft [z.B. Tetagam® bei Verletzungen zum Schutz vor Tetanus], in seltenen Fällen werden auch tierische Produkte [z.B. Antiseren gegen Botulinum-Toxin oder Diphtherie-Toxin] verwendet)

Schutzwirkung Induktion einer aktiven Immunität

Eintritt: Beginn frühestens nach 8-10 Tagen, häufiger erst später

Dauer: Jahre, Jahrzehnte, ggf. lebenslang

Induktion einer passiven Immunität

Eintritt: innerhalb weniger Stunden

Dauer: für Wochen bis maximal Monate (t½=20d)

Achtung: mögliche Beeinflussung durch die Antikörpergabe bis zu 3 Monaten (wichtig z.B für andere Impfungen)

Effekte Erregerspezifische Antikörper:
  • Neutralisierung
    (Verhindern das Eindringen von Erregern, Zerstörung von Toxinen,…)
  • Opsonierung
    (Markierung der Erreger für die Immunzellen)
  • lytische Aktiviät
    (Komplementsystem, NK-Zellen)

erregerspezifische T-Helfer-Zellen (CD4+)
Zytokinbildung,
Unterstützung der Antikörperbildung

Erregerspezifische zytotoxische T-Zellen (CD8+)
Zerstörung infizierter Zellen

Erregerspezifische T- und B-Gedächtniszellen
Immunologisches Gedächtnis

Erregerspezifische Antikörper:
  • Neutralisierung
    (Verhindern das Eindringen von Erregern, Zerstörung von Toxinen [z.B. Tetagam®],…)
  • Opsonierung
    (Markierung der Erreger für die Immunzellen)
  • lytische Aktiviät
    (Komplementsystem, NK-Zellen)