Impfen aber... Wo? und Wie?

Applikationsorte einer Impfung

Applikationsorte von Impfungen

Grundsätzlich muss man verschiedene Möglichkeiten der Impfstoffgabe (Applikation) unterscheiden. Impfstoffe werden in den meisten Fällen als Injektion intramuskulär (i.m., in den Muskel) oder subcutan (s.c., in die Unterhaut) gespritzt. Neben dieser wohl häufigsten Form gibt es die Möglichkeit zur oralen Immunisierung (Impfstoff wird geschluckt, Schluckimpfung; z.B. Rotaviren, OPV-Polioimpfung), zur intracutanen Gabe des Impfstoffes (Tuberculose) oder relativ neu zur nasalen Applikation mittels eines Nasensprays (Influenza).

Wichtig: die richtige Applikation

In der Regel wird eine Impfung in den Musculus deltoideus (oberer Oberarm) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen empfohlen. Bei Säuglingen erfolgt die Impfung unter der Vorstellung eines noch zu "schmächigen" Musculus deltoideus in den Musculus vastus lateralis (seitlicher Oberschenkel).

Abgeraten wird grundsätzlich von einer glutealen Applikation (Impfung ins Gesäß) oder anderen Applikationsorten.

In Studien konnte man bzgl. des Hepatitis B-Impfstoffes ein teilweise deutlich geringeres Ansprechen durch eine andere Applikationsart nachweisen. Erfolgte eine Impfung nicht an den empfohlenen Stellen, sondern wie in der Studie untersucht gluteal, kam es teilweise zu einem deutlich verminderten Impferfolg (bis zu ca. 30%).

Erklärt wird dieses Phänomen durch die nicht erfolgte intramuskuläre Injektion des Impfstoffes. Die verwendeten schlanken, aber auch kurzen Nadeln reichen meist nicht über das subcutane Fettgewebe des Impflings (im Gesäßbereich) hinaus. Erfolgt hier eine Injektion in das Fettgewebe, scheint es zu einer Art Depotwirkung und schließlich zu einer verminderten Immunantwort zu kommen. Die Wahl einer größeren und längeren Nadel würden den Verlust von Impfstoff im Totraum des Nadelvolumens vergrößern und auch eine entsprechend verminderte Immunantwort nach sich ziehen.

Impfungen und Gerinnungshemmer

Bei vielen Erkrankungen ist eine dauerhafte Gerinnungshemmung (Phenprocoumon [Marcumar®], Rivaroxaban [Xarelto®], Dabigatran [Pradaxa®],...) nötig. Intramuskuläre Injektionen, wie bei Impfungen, sind zu vermeiden. Dennoch sollten Impfungen diesen Patienten nicht vorenthalten werden.

Bei den meisten Impfstoffen ist auch, obwohl eine i.m.-Applikation befürwortet wird, eine subcutane Gabe möglich. Ein verminderter Impferfolg ist durch diese Applikationsform nicht zu befürchten. Lediglich das Risiko möglicher lokaler Nebenwirkungen ist durch die Wahl der s.c.-Gabe im Vergleich zur i.m.-Injektion erhöht. So bilden sich z.B. vermehrt kleine Knötchen an der Injektionsstelle.

Dennoch sollten Sie nicht auf den Schutz durch die Impfung verzichten.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.