Schutzimpfungen

... und die häufigsten Fragen, Sorgen oder Einwände

Zusammengestelt nach Informationen des Robert Koch-Institutes (Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten) sowie des Paul-Ehrlich-Instituts (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel).

Impfungen sind in der Medizin "etwas Besonderes", und dies in vielerlei Hinsicht. In der Regel erfolgt der Einsatz als Prophylaxe, also Schutz vor einer eigentlichen Erkrankung. Man erhält quasi, ohne eigentlich erkrankt zu sein, eine Therapie, die ein wenn auch sehr geringes Risiko (Nebenwirkungen) birgt. Außerdem verfolgt die Impfung als Ziel nicht nur den Schutz des Individuums. Auch unterscheidet sich die Impfung von üblichen Therapiekonzepten. Neben dem Schutz des Einzelnen (Individualschutz) sind Herdenimmunität oder Ausrottung einer Erkrankung (z.B. Pocken) mögliche Ziele. Diese nützen dem Einzelnen erst in zweiter Linie.

Bereits bei der ehemals bestandenen Impfpflicht (Reichsimpfgesetz 1874) bzgl. der Pockenimpfung entbrannten Diskussionen, ob Impfungen sinnvoll sind oder ob doch die Nachteile durch Impfungen überwiegen. Eine Impfpflicht besteht in Deutschland nicht mehr, sondern nur noch eine Impfempfehlung. Die Impfung ist eine freiwillige Entscheidung. Leider lassen sich viele Menschen aufgrund von Fehlinformationen oder geschürten Ängsten nicht impfen. Einige, von Impfgegnern ins Feld geführte Argumente, möchten wir hier näher beleuchten.

 

Wirksamkeit von Impfstoffen

Angeblich wurde die Wirksamkeit von Impfungen niemals belegt. Doch alleine die unzähligen historischen Versuche bei der Entwicklung der Impfstoffe (z.B. Jenner: Pocken) oder die Erfolge der Impfungen in der Geschichte (z.B. Tetanus: Minderung der Todesfälle in den Weltkriegen durch Impfung; Pocken: Ausrottung, Polio: nahezu Ausrottung,…) konnten bereits die Wirksamkeit von Impfungen für den Einzelnen und für die breite Masse nachweisen. Aber heute kann auch in Studien die Wirksamkeit neuerer Impfstoffe belegt werden.

Selbst die Impfgegner profitieren durch die erzeugte Herdenimmunität (z.B. Masern) von den Erfolgen der Impfstoffe. Plastisch formuliert sonnen sich die Gegner im Schutz der Impfgemeinschaft, wettern gegen die Impfmedizin und gefährden letzten Endes durch ihre ablehnende Haltung die Herdenimmunität.

Zu guter Letzt sollte bei einer Unterstellung der Unwirksamkeit bedacht werden, dass Impfstoffe heute, wie alle Arzneistoffe, vor einer Zulassung ihre Wirksamkeit in einer Studie beweisen müssen.

 

Impfungen schützen nicht langfristig

Dies ist je nach Impfstofftyp richtig, aber doch sicherlich kein Argument gegen eine Impfung. Grundsätzlich ist die Anzahl der Impfungen für eine Grundimmunisierung und evtl. Auffrischungsimpfungen abhängig vom Impfstofftyp. Viele Lebendimpfstoffe (z.B. gegen Mumps, Masern und Röteln: MMR) müssen nach der Grundimmunisierung nicht mehr aufgefrischt werden. Totimpfstoffe müssen häufig alle 10 Jahre aufgefrischt werden (z.B. Tetanus, Diphterie). Aber auch hier gibt es Unterschiede (vgl. Polysaccharid vs. Konjugatimpfstoffe; z.B. Pneumokokken).

Sicherlich würden wir gerne für jeden Erreger einen Impfstoff zur Verfügung stellen, den man nur einmal im Leben impfen müsste, der keine Nebenwirkungen hätte und je nach Erreger sogar alle Serotypen mit einer Dosis abdecken könnte.

Doch diesen Impfstoff gibt es nicht!

Aber man kann doch sagen: Lieber alle 10 Jahre zur Tetanusimpfung als 1x am Wundstarrkrampf versterben! Ähnliches könnte man für viele Krankheiten formulieren: If you don´t like the vaccine, try the disease!

Und weiterhin muss bedacht werden, dass eine überstandene Erkrankung keinesfalls eine Sicherheit bietet vor einem erneuten Infekt. Teilweise besteht bei Erkrankungen nur ein begrenzter Schutz (z.B. Pertussis). Oder durch unterschiedliche Serotypen kann eine erneute Infektion mit einem weiterem Serotyp erfolgen (z.B. Polio, Pneumokokken,…). Aber auch bei klassischen Kinderkrankheiten ist in seltenen Fällen eine erneute Infektion möglich (bei Immundefekten bietet z.B. eine Herdenimmunität Schutz).

 

Erkrankung trotz Impfung

Auch dies ist richtig. Eine Erkrankung trotz einer Impfung ist möglich. Dies kann viele Gründe haben. Aber kein Medikament, keine Therapie, keine Untersuchung … NICHTS hat 100% Sicherheit. Es wird immer eine gewisse Fehler- oder Versagerquote wie bei allen Dingen im Leben geben. Beim Impfen nennt man dies Non-Responder.

Es gibt hierfür verschiedene Ursachen: z.B. Impfstoff-Charge, Lagerung, Applikationsart, Alter des Impflings, Immundefekte, Medikation.

In vielen Fällen wird zwar kein völliger Schutz durch eine Impfung erreicht, aber die Infektion verläuft milder. Insbesondere Komplikationen treten seltener auf.

 

Durchmachen von Krankheiten

Häufig kursiert noch die Meinung, dass ein Durchmachen, insbesondere der Kinderkrankheiten, wichtig und richtig für das Kind ist. Es "schult" vielleicht noch das Immunsystem und ist ohnehin ungefährlich. Impfungen sind unnötig vielleicht sogar Teufelswerk.

Zu diesen Behauptungen muss gesagt werden, dass es bislang keine wissenschaftlich fundierten Arbeiten oder Hinweise gibt, die negative Einflüsse von Impfungen auf die kindliche Entwicklung belegen. Auch dass unser menschliches Immunsystem durch Impfungen "aus der Übung" kommt, scheint vollkommen unbegründet. In einer Hand voll Dreck sind alleine Tausende unterschiedliche Organismen, gegen unzählige muss sich das Immunsystem täglich behaupten. Die lächerlich kleine Zahl an impfpräventablen Keimen ist hier sicher unbedeutend. Man könnte sie mit der Liste der unregelmäßigen Verben vergleichen. Deshalb wird man dennoch Vokabeln auswendig lernen müssen.

Der Wunsch, dass Kinder die harmlosen Krankheiten durchmachen, ist wohl aus einer verkehrten Sicht in Erinnerung an eine eigene behütete Kindheit geprägt. Sicherlich sind Komplikationen seltener, aber möglich. Und diejenigen, die sie kennen, würden sich sicherlich im Nachhinein für eine Impfung entscheiden. Aber heute werden die Kinderkrankheiten selbst durch Impfungen immer seltener, und der Respekt fehlt vielen. So sinkt die Impfbereitschaft und Impfgegner ernten mit verklärten, nostalgischen oder gar verunsichernden Ansichten Gehör.

Und die Komplikationen betreffen auch Erwachsene. Kinderkrankheit bedeutet nur, dass die Krankheiten hoch infektiös waren bzw. sind, dass man sich bereits als Kind angesteckt hatte. Erwachsene hatten eine Erkrankung überstanden, litten an Komplikationen oder waren tot.

 

Impfungen verursachen Erkrankungen

Hier ist wieder eine Unterscheidung zwischen den Impfstofftypen nötig. Während in Totimpfstoffen keine vermehrungsfähigen Keime vorhanden sind, enthalten Lebendimpfstoffe attenuierte (abgeschwächte) Erreger.

Diese vermehren sich nach Impfung und können in seltenen Fällen abgeschwächte Krankheitssymptome (z.B. Masern: Impfmasern) verursachen. Es kommt aber nur in seltensten Fällen zu den Komplikationen der ursprünglichen Erkrankung (Masernenzephalitis: 1:1.000.000 – bei Erkrankung 1:1000). Ein weiteres bekanntes Beispiel für ein mögliches Risiko der Lebendimpfstoffe ist die orale Poliovaccine (OPV). Die Schluckimpfung, früher auch in Deutschland verwendet, verursachte in seltenen Fällen eine Impf-Polio(1:2.000.000 bis 4-6/1.000.000).

 

Impfungen und Allergien

Impfungen stehen auch im Verdacht Allergien zu erzeugen. Wir haben heute mehr Impfungen und auch mehr Allergien. Aber dies ist nur eine zufällige Korrelation und kein kausaler Zusammenhang.

Wir haben auch mehr Handys, mehr Fastfood, mehr Computerspiele oder auch gehen mehr Kinder aufs Gymnasium. Es besteht immer die Gefahr eine statistische Häufung mit Kausalität zu verwechseln. Während in schwedischen Untersuchungen in einem anthroposophisch orientierten Kollektiv (weniger Impfungen, aber auch „gesündere Lebensweise“, weniger Antibiosen,...) weniger Allergien beobachtet wurden und dies vielleicht für einen Zusammenhang sprechen könnte, zeigte sich in unserem Land Gegenteiliges. Während es in der ehemaligen DDR (gesetzliche Impfpflicht) kaum Allergien gab, nahm die Allergierate in Ostdeutschland erst nach der Wende zu, während gleichzeitig die Impfraten sanken. Aus Sicht der DDR wäre vielleicht der Kapitalismus der Grund für die Allergien.

Eine schlüssige und begründbare Aussage bleibt wohl für lange Zeit offen.

 

Die Nebenwirkungen und Risiken

Wie alles haben auch Impfstoffe Risiken und Nebenwirkungen. Doch in der Vergangenheit wurden einige unbegründete Vermutungen (Verursachung von Autismus, Diabetes, Multiple Sklerose,…) geäußert, die teilweise sogar im The Lancet veröffentlicht wurden.

Es führte zu rückläufigen Impfungen. Doch es zeigte sich später, dass die Behauptungen falsch waren (vgl. Nebenwirkungen).

 

Antibiotika machen Impfungen überflüssig

Leider ist dies nicht so. Zum einen sind nicht alle Erreger Bakterien, die mit einem Antibiotikum behandelt werden können. Denn andere Erregertypen (z.B. Viren: Poliomyelitis, Masern,…) werden durch eine Antibiose nicht erfasst.

Zum anderen bieten Impfungen auch bei bakteriellen Infektionen einen größeren Schutz als Antibiotika. So führen Tetanusinfektionen oder Meningokokkeninfektionen trotz Behandlung häufig zum Tode. Auch können Resistenzentwicklungen Antibiotika unwirksam machen.

Sicherlich sind Antibiotika ein wichtiges Therapeutikum, aber ersetzen können sie Impfungen nicht. Dies zeigte sich auch in der Geschichte der Impfmedizin (vgl. Pneumokokken).

 

Es gibt Ärzte, die vom Impfen abraten!

Sicherlich wird es diese geben. Die ärztliche Heilkunst unterliegt auch der eigenen Überzeugung. Sie ist zwar zunehmend von Leitlinien geprägt, aber grundsätzlich darf jeder seine Meinung vertreten.

Aber ob diese Meinung wissenschaftlich begründbar oder gar sinnvoll ist, sei dahin gestellt.

Es gibt auch Ärzte, die rauchen. Im Grunde ist doch jeder ein Individuum mit einer Meinung. Die Frage ist, ob sich diese objektiv begründen lässt oder sie mehr durch eine subjektive Einstellung geprägt ist. Dass Rauchen schädlich ist, muss wohl nicht mehr erörtert werden, dennoch gibt es Raucher und auch Ärzte, die rauchen. Aber dies als Argument für das Rauchen zu verwenden, ist wohl mehr eine Entschuldigung als ein sachliches Argument.

Es gibt sicherlich nicht wenige Ärzte, die von jeglicher Impfung abraten. Freiburger Forscher stellten vor einigen Jahren fest, dass auch homöopathisch orientierte Ärzte zumindest die „klassischen“ Impfungen (Tetanus, Diphtherie und Polio) fast ebenso häufig verabreichen wie rein schulmedizinische Kollegen. Ob die Abwägungen, die zur Impfempfehlung der STIKO führten, ausreichend sind, muss letzten Endes jeder für sich selbst entscheiden.

 

Pharmaindustrie will nur Geschäfte machen

Sicherlich, die Industrie möchte verdienen! Geld regiert die Welt. Eine Herstellung von Impfstoffen oder Medikamenten erfolgt nur, wenn es sich lohnt. Das bedeutet: Gewinn!

Aber auch wir haben einen Nutzen. Neben dem persönlichen Schutz vor der Erkrankung hat die Allgemeinheit auch einen finanziellen Nutzen. Die Behandlung (z.B. Hepatitis B) oder Kosten durch Behinderungen (z.B. Poliomyelitis) würden die Allgemeinheit (Krankenversicherung, Rente) deutlich mehr kosten als die Impfungen.