Begriffserläuterung

Antigendrift vs. Antigenshift

Antigendrift

Antigendrift bei Influenzaviren
Antigendrift bezeichnet die Änderung der Oberflächen-Antigene durch Punktmutationen (Kopierfehler) im Genom des Erregers (Virus, insb. Influenza-Viren). Durch diese zufälligen Änderungen im Genom erfolgt eine Anpassung an eine teil- bzw. immune Bevölkerung. Das Virus kann durch eine Änderung der Oberflächenantigene (Hämagglutinin und Neuraminidase bei Influenza) erneut die Population infizieren.

So ist je nach Grad der erreichten Abweichung eine erneute Erkrankung möglich. Der Schutz, der nach einer vorherigen Infektion in der Vergangenheit durch "alte" Erreger induziert wurde, reicht nicht mehr aus, eine Infektion durch die "neuen" Erreger gänzlich zu vermeiden.

Ein klassisches Beispiel sind die Influenza-Viren (Typ A, B ggtl. auch C). Durch stetige Änderung kommt es hier immer wieder zu neuen Varianten. Diese sind meist für regionale Ausbrüche oder Epidemien verantwortlich.

Antigenshift

Antigenshift bei Influenzaviren

Bei Erregern mit einem segmentierten Genom ist neben dem Antigendrift auch ein sogenanntes Antigenshift möglich. Das Antigenshift bezeichnet den Austausch von genetischer Information zwischen verschiedenen Virusarten bzw. –subtypen.

Kommt es gleichzeitig zu einer Infektion einer Zelle beider beteiligter Viren, so können sich die Genomsegmente neu formieren und es entsteht schlagartig ein vollkommen neuer Virus(sub)typ. Dies bezeichnet man als Reassortment. Eine entsprechende Immunität bezüglich des neuen Virus ist nicht zu erwarten.

Auch hier dient das Influenza A-Virus als bekanntestes Beispiel. Bei einer gleichzeitigen Infektion mit unterschiedlichen Viren kann es zu einem Austausch unter den acht Genomsegmenten kommen. Auf diesem Wege entstehen auch die Durchmischungen zwischen den unterschiedlichen Wirten der Influenza (z.B. Mensch, Vögel, Schwein,...). In größeren zeitlichen Abständen kommt es so immer wieder zu Pandemien.

Booster-Effekt

Antikörpertiter im Verlauf einer Grundimmunisierung

Unter einer Boosterung (booster: Verstärker, Antreiber) versteht man in der Medizin eine verstärkende Impfung. Diese ist meist bei Totimpfstoffen nötig. Nach einer Impfstoffgabe in relativ kurzem Abstand bzw. Abständen (meist 2-3 Dosen im Abstand von 4-6 Wochen) erfolgt eine erneute Impfung in einem längeren Intervall (6 Monate oder länger). Bei vielen Impfstoffen sind auch erneute Boosterungen (Auffrischungsimpfungen) in festen Abständen (z.B. alle 10 Jahre bei Tetanus und Diphtherie) nötig.

Durch diese "Erinnerung" kann das Immunsystem mit einer starken Antwort auf das "Erlernte" reagieren. Die Reaktion auf die Booster-Impfung fällt im Vergleich zu den ersten Impfungen deutlich stärker aus (10-100x Anstieg der Antikörperspiegel). Es werden so die nötigen Antikörperspiegel für einen Langzeitschutz erreicht. Außerdem ist diese "Erinnerungsreaktion" nötig für die Bildung des Immunologischen Gedächtnisses.

Disability-Adjusted Life Year, DALY

DALY wurde erstmalig 1993 im Weltentwicklungsbericht (World Development Report) präsentiert. Es ist ein Konzept, mit dem man die Bedeutung einer Erkrankung auf die Gesellschaft messen und verdeutlichen kann. Auch kann so die Effizienz von eingeführten präventiven Maßnahmen (Impfungen, Vorsorgen,...) gemessen werden.

DALY hat hierbei mehrere Vorteile gegenüber einer alleinigen Betrachtung der Sterblichkeit. Es werden die Sterblichkeit und die Beeinträchtigungen durch die Erkrankung erfasst. Dargestellt werden diese als "Zahl der verlorenen Lebensjahre": Sei es durch einen Tod bei Erkrankung (z.B. Leberversagen bei Hepatitis), durch einen vorzeitigen Tod im Lebensverlauf durch die Erkrankung (z.B. bei Lebererkrankung nach Hepatitis) oder Verlust an Lebenszeit durch eine entstandene Behinderung (z.B. Lähmung nach Polio). All diese verlorenen Jahre einer Bevölkerung durch eine Erkrankung werden gegen eine ideale Situation, in der jede Person bei voller Gesundheit bis zum Durchschnittsalter lebt, gegengerechnet.

Nun zeigt sich der Vorteil von DALY: ein länder- und kulturübergreifender Einsatz. Zum Beispiel bei grundsätzlich unterschiedlicher Lebenserwartung kann die Auswirkung einer Erkrankung auf verschiedene Länder beurteilt und verglichen werden.

 

Kontagiositätsindex / Kontagionsindex

Der Kontagiositätsindex (Ansteckungsrate) bezeichnet die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Person, bei einem Kontakt mit dem Erreger bzw. einem Erkrankten selbst zu erkranken. Er gibt keine Aussage über Symptome oder Komplikationen.
Erkrankung Indexwert
Varizellen (Windpocken) 0,95 (0,9-1,0)
Keuchhusten 0,90 (0,8-1,0)
Masern 0,95
Pocken 0,95
Scharlach 0,9
Mumps 0,4-0,8
Typhus 0,5
Röteln 0,15-0,20(-0,9)
Diphtherie 0,10-0,20
Bakterienruhr 0,15
Poliomyelitis 0,001-0,003

Non-Responder

Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind hoch immunogen, d.h. sie erzeugen beim Gesunden in der Regel eine gute und ausreichende Immunantwort, also einen zuverlässigen Schutz.

Teilweise kommt es vor, dass nach einer Impfung aber kein Schutz erzeugt wird. Diese fehlende Reaktion bezeichnet man als Non-Responder.

Ob dies eintritt, ist von vielen Faktoren abhängig. Neben Impfstoff (Unterschiede in der Erzeugung einer Immunantwort) und möglichen technischen Gründen (Fehler bei Herstellung, Transport, Lagerung, Impfung [Abstände zu Medikamenten, anderen Impfungen, vorherige Bluttransfusion,...],...) sind meinst Alter, Geschlecht und genetische Faktoren verantwortlich. Aber auch Krankheiten (Immundefekte) können das Ansprechen auf eine Impfung reduzieren.

Gründe für ein Versagen, die in Produktion oder Anwendung begründet sind, können durch eine Standardisierung auf ein Mindestmaß reduziert werden. Dennoch bleibt eine gewisse "Versagerquote". Nötigenfalls kann eine Titerbestimmung den Impferfolg bestätigen.

Serokonversion

Unter einer Serokonversion versteht man das Auftreten von spezifischen Antikörpern gegen die Antigene eines Krankheitserregers (auch als Teil eines Impfstoffes). Die Serokonversion bezeichnet die Immunantwort und die Konversion, also den Wechsel von einem sero-negativen oder naiven (den Erreger nicht kennenden) Immunsystem in ein sero-positives. Je nach Auftreten von Antikörper-Klassen (IgM, IgG,…) kann auch der Krankheitsverlauf bzw. die -phase bestimmt werden.