Geschichte der Impfmedizin

Die erste Impfung (1796)

Edward J. Jenner (1749–1823)
Der englische Landarzt Edward J. Jenner (1749–1823) gilt als Vater der Schutzimpfung. Er gilt als erster Arzt, der gezielt eine Impfung durchführte.

Edward J. Jenner infizierte James Phipps, den damalig achtjährigen Sohn seines Gärtners, am 14. Mai 1796 gezielt mit Kuhpocken. Er gewann bei einer Milchmagd, die an Kuhpocken erkrankt war, Material aus einer Pustel. Mit diesem infizierte er den Jungen. Jenner beobachtete eine Impfreaktion mit Lokal- und Allgemeinreaktion. Eine wirkliche Erkrankung blieb jedoch aus. Nachdem die Symptome rückläufig waren, setzte Jenner den Jungen den "richtigen" Pocken aus. Er erkrankte nicht.

Jenner bezeichnete sein Verfahren als "vaccination" vom Lateinischen "vacca" die Kuh. Auch heute noch wird "Vakzine" als Begriff für einen Impfstoff verwendet.

Aber ob er tatsächlich der erste war, der Kuhpocken nutzte, um einen Schutz vor Pocken zu erreichen, ist ungeklärt. Auch Peter Plett (1791, Kiel) und Benjamin Jesty (1774, England) haben damals erkannt, dass Kontakte mit Kuhpocken einen Schutz vor Pocken bieten. Ähnlich wie Jenner haben sie bewusst Personen mit Kuhpocken infiziert. Sie erfuhren beide vom Schutz vor den Pocken bei einer zuvor durchgemachten Kuhpockenimpfung. So entschlossen sie sich zur absichtlichen Infektion von Menschen. Warum Jenner weltweit als Begründer gilt, bleibt nur zu vermuten. Vielleicht war es der mehr wissenschaftliche Ansatz seiner Impfung, obwohl sie heute von keiner Ethikkommission mehr genehmigt werden würde.

Reichsimpfgesetz (1874)

Das Reichsimpfgesetz vom 8. April 1874 regelte die Impfpflicht aller Personen. Hier wurde festgelegt, wer zu impfen war und aus welchen Gründen jemand von einer Impfung befreit werden konnte. Impfversäumnisse wurden mit Geldstrafen und bis zu 3 Tagen Haft bestraft.

Sicherlich sind wir heute etwas liberaler bezüglich der Impfempfehlungen. Die STIKO (ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes) empfiehlt und befiehlt nicht mehr. Doch durch diese Maßnahme gelang es die Pocken auszurotten.

Aus dem Leben von Louis Pasteur (1822-1895)

Louis Pasteur (1822-1895)
Der französische Chemiker Louis Pasteur (1822-1895) beschäftigte sich mit Krankheitserregern in Staub und Luft. Er konnte durch seine Erkenntnisse und eine spätere Desinfektion (Operationsmaterialien, Händedesinfektion der Chirurgen und der Wundverbände) die Sterberate nach einer OP von ca. 50% auf fast 3% senken.

Auf die Erkenntnisse von Jenner aufbauend gelang es ihm 1880, erstmalig einen Impfstoff gegen die Cholera bei Hühnern herzustellen. Sein Schüler Emile Roux (1853-1933) konnte durch Blutuntersuchungen das aktive Prinzip dieser Immunabwehr nachweisen.

Ein Jahr später (1881) folgte die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen Milzbrand und wenige Jahre später gelang die erste Impfung gegen Tollwut (vgl. unten.)

Die erste Impfung gegen Tollwut (1882-1885)

Die Geschichte beginnt auch hier mit einem kleinen Jungen. Der neunjährige Bäckerssohn (Joseph Meister) aus dem Elsass wird nicht weniger als 14-mal von einem tollwütigen Hund gebissen. Dies kommt in der damaligen Zeit einem Todesurteil gleich. Doch zur gleichen Zeit beschäftigt sich Louis Pasteur mit der Tollwut in Paris. So entschließt man sich den Jungen dort vorzustellen.

Louis Pasteur hatte in der Forschung um die Tollwut bereits viel erreicht. Er konnte zeigen, dass der Erreger das Zentrale Nervensystem befiel. Er gewann Hirnsubstanz von einem an Tollwut verstorbenen Hund. Gewonnenes Material verabreichte er submeningeal mehreren Kaninchen, die daraufhin an Tollwut verstarben. Auch von diesen Tieren gewann er Hirnsubstanz und injizierte diese weiteren Tieren. Erneut erkrankten diese und verstarben. Es gelang ihm den vermuteten Erreger über 100 Passagen virulent zu halten. Es war endgültig nachgewiesen, dass der Tollwuterreger, der erst Jahrzehnte später als Virus identifiziert werden konnte, das Nervensystem befällt.

In einer weiteren Versuchsreihe verabreichte Pasteur die erregerhaltige Flüssigkeit einem Hund direkt intrazerebral. Der Hund erkrankte an Tollwut und verstarb. Nun trocknete Pasteur die Rückenmarksubstanz der Kaninchen und verabreichte die Suspension in destilliertem Wasser einer Reihe von Hunden mehrmals mit einigen Tagen Abstand. Anschließend infizierte er die Hunde mit Tollwut. Sie erkrankten nicht.

Auch nach weiteren Versuchsreihen zögerte Pasteur zunächst, den nächsten Schritt zu wagen und einen Menschen zu impfen. Schließlich war der Zeitpunkt gekommen (6. Juli 1885), an dem sich Joseph Meister bei ihm vorstellte. Der Junge konnte gerettet werden.

Die erste passive Immunisierung (1889-90)

Emil von Behring (1854-1917) Shibasaburo Kitasato (1852-1931)
Der Arzt und Naturforscher Emil von Behring (1854-1917) forschte zusammen mit dem japanischer Arzt und Bakteriologen Shibasaburo Kitasato (1852-1931). Sie arbeiteten gemeinsam in Robert Kochs Labor in Berlin. Dort untersuchten sie die Erreger des Tetanus (Wundstarrkrampf) und der Diphtherie. Es gelang ihnen erstmalig die Erreger in einer Reinkultur anzuzüchten (1889). Sie übertrugen nun in ihrer Forschung das Blut von Tieren, die mit diesen Bakterien infiziert waren, auf gesunde Tiere. Es zeigte sich hierbei eine Resistenz der geimpften Tiere auf die bakteriellen Giftstoffe (Toxine). Behring schloss daraus, dass der Körper bei einer Infektion als Abwehrmechanismus Antitoxine, also gegen die Toxine gerichtete Stoffe, bildet. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er in dem Werk „Über das Zustandekommen der Diphtherieimmunität und der Tetanusimmunität bei Tieren“.

Die Grundlage für eine passive Immunisierung war gelegt. In weiteren Forschungen versuchte er ein Blutserum gegen die Diphtherie zu entwickeln. Ende des Jahres 1891 gelang es Behring, zwei an Diphtherie erkrankte Kinder mit einem aus dem Serum von wenigen Schafen gewonnenen Gegengift zu heilen. Dazu trug maßgeblich die Mitarbeit seiner Freunde Paul Ehrlich und Erich Wernicke bei.