Impfen i. bes. Situationen

Schwangerschaft und Stillzeit

Gundsätzlich sollten insbesondere vor einer geplanten Schwangerschaft der Impfausweis überprüft werden und ggf. Impflücken geschlossen werden. Aber manchmal kommt das Glück unverhofft und ungeplant. Und so kann es auch in Situationen nötig werden eine Impfung in der Schwangerschaft durchzuführen.

Impfung i. d. Schwangerschaft

Totimpfstoffe
Das Robert Koch-Institut äußert sich bezüglich der Impfung von Schwangeren in soweit, dass für die Impfung mit Totimpfstoffen die Schwangerschaft kein Hindernis bzw. keine Kontraindikation darstellt.

Es ist aber hierbei zu beachten, dass zum einen von Impfungen im ersten Schwangerschaftsdrittel abgeraten wird. Nur zwingend nötige Impfungen sollten durchgeführt werden. Dies ist aber nicht in einer Häufung von möglichen Komplikationen begründet, die z.B. nach Auswertung von statistischen Daten zu dieser Empfehlung führten. Eine grundsätzlich höhere Rate an Spontanaborten in der Frühschwangerschaft sollte nicht fälschlicherweise mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht werden. Man möchte so Folgen für die Betroffenen und vielleicht auch negative reißerische Meldungen in der Presse vermeiden.

Umgekehrt stellt eine erfolgte Impfung mit Totimpfstoffen zu keinem Zeitpunkt eine Indikation zu einer Verhütung einer Schwangerschaft noch zu einem Schwangerschaftsabbruch dar.

Bezüglich der Zulassung des Impfstoffes müssen die Herstellerangaben beachtet werden. Häufig sind Kombinationsimpfstoffe nicht für die Impfung von Schwangeren zugelassen. Dennoch gelten gleiche Überlegungen. Eine ausführliche persönliche Beratung durch einen Arzt sollte bei einer Entscheidungsfindung federführend sein.

Hinweis: Influenza-Impfung bei Schwangeren
Außerdem sei an dieser Stelle erwähnt, dass eine Schwangerschaft nicht nur eine Kontraindikation sondern auch eine Indikation für eine Impfung darstellen kann. Da eine Influenza, eine wirkliche Grippe, bei bestehender Schwangerschaft häufig deutlich schwerer und komplikationsreicher veräuft, empfiehlt die STIKO seit 2010 eine Immunisierung aller Schwangeren.

Konnte dies nicht "planmäßig" und "fristgerecht" vor der Konzeption erfolgen, wird eine Impfung ab dem 2. Trimenon mit der jeweiligen saisonale Influenzaimpfung empfohlen. Bei eine erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines möglichen Grundleidens soll die Impfung bereits im 1. Trimenon erfolgen.

Grundsätzlich ist begründet sich die Empfehlung ab 2. Trimenon nicht mit einer vorher bestehenden erhöhten Nebenwirkungsrate. (vgl. Kontraindikationen)

Lebendimpfstoffe

Hingegen sind Impfungen mit einem Lebendimpfstoff (z.B. Mumps, Masern, Röteln, Varizellen) in der Schwangerschaft grundsätzlich kontraindiziert. Nach erfolgter Impfung mit einem Lebendimpfstoff sollte eine Schwangerschaft für 3 Monate vermieden werden.

Lediglich bei absoluter Notwendigkeit (z.B. einem unaufschiebbarem Aufenthalt in Infektionsgebieten) ist die Impfung mit Gelbfieber oder Typhus (hier vorzugsweise Totimpfstoff verwenden!) durchzuführen. Dies gilt entsprechend jedem absolut notwendigen Eingriff. Denn letztendlich, so hart es klingen mag, geht der Schutz der Mutter vor dem Schutz des ungeborenen Kindes.

Eine versehentliche Impfung mit einem Lebendimpfstoff in oder kurz vor einer Schwangerschaft stellt jedoch nach derzeitigen nationalen und internationalen Empfehlungen keine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch dar. Bei mehreren hundert dokumentierten Impfungen während bzw. innerhalb von 3 Monaten vor einer Schwangerschaft wurde kein erhöhtes Risiko für kongenitale Fehlbildungen festgestellt (siehe auch die Hinweise in den Fachinformationen der jeweiligen Impfstoffe).

Totimpfstoff
Impfung in der Schwangerschaft möglich…
Tetanus ja
Diphtherie ja
Pertussis (ja)
Poliomyelitis (ja)
Hepatitis A (ja)
Hepatitis B ja
Grippe, vgl. Influenza-Impfung i.d. Schwangerschaft ja
Tollwut ja
Pneumokokken, Polysaccharidimpfstoff (ja)
Meningokokken, Polysaccharidimpfstoff (ja)
FSME (ja)
 
Lebendimpfstoff
Impfung in der Schwangerschaft möglich…
Tuberkulose (BCG-Impfstoff) nein
Masern nein
Mumps nein
Röteln nein
Varizellen nein
Typhus wenn unvermeidbar (auf Totimpfstoff ausweichen)
Gelbfieber wenn unvermeidbar
ja Impfung möglich
(ja) Impfung theoretisch möglich, es liegen jedoch keine Erfahrungen bzw. Studienergebnisse vor
nein KEINE Impfung empfohlen (meist bei Lebendimpfstoffen)
wenn unvermeidbar Wenn eine Impfung unbedingt nötig ist, kann diese erfolgen (z.B. bei unaufschiebbarem Aufenthalt in einem Infektionsgebiet).
Im Vergleich zu möglichen Impfschäden des Kindes wiegen Folgeschäden einer Erkrankung von Mutter und Kind höher, so dass bei unvermeidbarem Risiko (z.B. durch Reise) die Impfung angeraten wird.

Grundsätzlich wird eine individuelle Beratung angeraten !

Impfung i.d. Stillzeit

Stillen ist generell keine Kontraindikation für Impfungen.

 

 

Immunsuppression

Impfung bei Immundefizienz

Allgemein könnte man sagen, dass Personen mit einem Immundefizit nicht weniger, sondern mehr Impfschutz benötigen! Sie sind diejenigen, bei denen Erkrankungen häufiger einen schweren Verlauf nehmen oder gehäuft Komplikationen auftreten.

Sicherlich lässt sich in einer kurzen Übersicht nicht jeder individuelle Fall betrachten. Hier ist immer mit dem behandelnden Arzt und dem behandelnden Immunologen vor möglichen Impfungen Rücksprache zu halten. Aber auch vor einer geplanten Immunsuppression im Rahmen einer Therapie sind zuvor evtl. Impfungen zu vervollständigen.

Stellungnahme des Robert Koch Institutes (2005) … 
Primäre Immundefekte
Bei einem von Geburt an bestehenden Defekt ist im Normalfall eine Immunisierung mit Totimpfstoffen möglich. Immunisierungen mit Lebendimpfstoffen können nur eingeschränkt bei einigen Erkrankungsbildern erfolgen (z.B. selektiver Antikörpermangel). Grundsätzlich sollte hier aber die Führung des Impfregimes durch einen erfahrenen Immunologen erfolgen.

Mit einem verminderten Ansprechen der Impfstoffe ist zu rechnen. Aber plastisch formuliert ist selbst ein 30% Schutz mehr als 0%.

Sekundäre Immundefekte
Unterschieden werden muss hier zwischen "geplanten" und "ungeplanten" Störungen des Immunsystems. Bei absehbaren Störungen (medikamentöse Immunsuppression, Entfernung der Milz [Splenektomie], Transplantation,…) ist vor dem Eingriff auf einen möglichst vollständigen Impfschutz zu achten.

Innerhalb der Therapie (z.B. bei Chemotherapie) sollten Immunisierungen nach Möglichkeit vor oder mindestens 3 Monate nach einer Chemotherapie geplant werden. Bei langfristiger immunsuppressiver Therapie können Totimpfstoffe zwar unbedenklich gegeben werden, es ist jedoch auch hier mit einem verminderten Effekt zu rechnen. Zu Verbesserung der Immunantwort sollte eine erneute Impfung nach Absetzen der Therapie (Abstand 3-6 Monate) erfolgen.

Hinweis: Bei langfristiger Anwendung von Kortikosteroiden, auch inhalative Kortikoide (z.B. bei einer Asthmatherapie) oder topische Kortikoide in Salben oder Cremes, die ein Prednisolonäquivalent von 20mg/d (einige Quellen 10mg/d) nicht überschreiten, ist mit keiner Beeinflussung zu rechnen. In diesen Fällen dürfen sowohl Lebend- als auch Totimpfstoffe ohne jede Einschränkung eingesetzt werden.

Bei sekundären Immundefekten innerhalb einer progredienten Erkrankung (z.B. HIV/AIDS) sollte bei noch gering ausgeprägtem Defekt möglichst früh geimpft werden. Evtl. kann hier auch noch eine Gabe von einigen Lebendimpfstoffen (z.B. MMR) erfolgen.

Für alle Impfungen gilt, eine Planung des Impfregimes sollte von einem erfahrenen Arzt, ggf. in Rücksprache mit einem Immunologen, erfolgen. Auch ist ähnlich den primären Defekten, je nach Ausprägung, mit einem verminderten Schutz zu rechnen. Aber auch ein geringer Schutz ist besser als keiner.

Dennoch sollte man Immunsuppremierten eine Impfung nicht versagen.

(funktionelle) Asplenie
Bei einer Funktionsunfähigkeit der Milz (Fehlen seit Geburt, nach OP oder andere funktionelle Mängel) äußert sich dies auch in der geminderten Immunkompetenz. Insbesondere für kapseltragende Bakterien besteht eine gesteigerte Gefahr einer Infektion mit anschließender Sepsis (Ausbreitung des Erregers über das Blut). Aus diesem Grunde werden bei diesen Personen (ggf. vor einer geplanten Operation!) Impfungen gegen entsprechende Erreger empfohlen: Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus i.B.