Nebenwirkungen

Bei Nebenwirkungen von Impfstoffen muss man zwischen typischen lokalen und systemischen Reaktionen auf die Impfung und wirklichen Komplikationen unterscheiden. Unter besagten Reaktionen versteht man, dass der Körper im weitesten Sinne auf die Impfung reagiert. Lokale Reaktionen (Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle) sind "normal". Auch systemische Reaktionen, also Reaktionen des Organismus, sind in gewissem Umfang "normal" (leichte Allgemeinbeschwerden: Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Unwohlsein). Selbst Symptome der eigentlichen Erkrankung in geringerer Ausprägung sind bei einigen Impfstoffen (z.B. Impfmasern, Impfmumps,Impfröteln, …) möglich.

Symptom geimpfte Gruppe Placebo-Gruppe
Schmerzen an der Einstichstelle 63,8% 24,1%
Müdigkeit / Abgeschlagenheit 18,% 19,4%
Wetterfühligkeit 16,0% 17,5%
Kopfschmerzen 10,8% 14,4%
Fieber 6,2% 6,1%
Muskel- / Gelenkbeschwerden 6,2% 5,7%
Studie über Nebenwirkungen von Impfstoffen vs. Pacebo (Nichol et al, NEJM 1995; 333; 889): 424 Personen Impfstoff, 425 ausschließlich Placeboinjektion

Häufig werden aber auch allgemeine Befindlichkeitsstörungen, die auch vor der Impfung bestanden, nun bewusster und mit der Impfung nicht nur in zeitlichen, sondern auch kausalen Zusammenhang gebracht.

Vermeintlich werden nun die bereits zuvor bestehenden Beschwerden mit der Impfung begründet. Doch dies ist nachweislich in Untersuchungen nicht haltbar.

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Korrelation vs. Kausalität  … 

Allergische Reaktion

Häufigster Grund für Nebenwirklungen bzw. schwerwiegende Komplikationen sind allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffes. Diese richten sich meist nicht direkt gegen den Impfstoff selbst, sondern gegen Stoffe aus dem Herstellungsverfahren (z.B. Hühnereiweiß oder Antibiotika). Häufig verbleiben trotz Reinigungsverfahren Spuren im Impfstoff und können bei bestehender Allergie eine entsprechende Reaktion auslösen.

Zusatz / Begleitstoff … in Impfstoff enthalten
Hühnereiweiß Gelbfieber, Influenza
Mumps*, Masern*, Tollwut*, FSME*
*(nur in kleinsten Spuren, keine allerg. Reaktion bisher beschrieben, vgl. unten)
Antibiotika (z.B. Gentamycin, Framycetin, Polymyxin, Tetracycline) Mumps, Masern, Röteln, Varizellen, FSME, Influenza, Tollwut
organische Quecksilberverbindungen (Thiomersal) Früher wurden organische Quecksilberverbindungen in vielen Impfstoffen als Konservierungsmittel verwendet. Bis vor einigen Jahren war noch in einigen Impfstoffen Thiomersal enthalten (z.B. Diphterie, Influenza). Heute werden diese Verbindungen nicht mehr eingesetzt.
Polygekin, Gelantine Mumps, Masern, Röteln, Tollwut
Phenol Pneumokokken (23-valenter Polysaccharid-Impfstoff), Typhus (Totimpfstoff)
* Quelle RKI (Robert Koch Institut, 2012):
Nur wenige Impfstoffe werden unter Verwendung von Hühnerembryonen produziert (z.B. solche gegen Influenza, Gelbfieber). Grundsätzlich enthalten Impfstoffe, bei denen die Viren auf Hühnerfibroblasten gezüchtet wurden (Masern-Mumps-Röteln, Tollwut, FSME), allenfalls kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß ohne allergisierende Potenz. Internationale Studien belegen, dass auch Kinder mit anamnestisch bekannter Hühnereiweißallergie problemlos und gefahrlos gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden können. Die Hühnereiweißallergie wird in internationalen und nationalen Leitlinien nicht mehr als Kontraindikation genannt. Ausschließlich Kinder mit klinisch sehr schwerer Hühnereiweißallergie (z.B. anaphylaktischer Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß) sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) geimpft werden.

Bitte halten Sie Rücksprache mit dem behandelnden Arzt!

 

weitere Komplikationen

Weitere Komplikationen durch Impfstoffe neben der allergischen Reaktion werden hier exemplarisch aufgeführt:

Behauptungen, negative Presse und mehr…

Es gibt immer wieder verschiedene (unbegründete) Behauptungen, insbesondere von Impfgegnern, dass Impfungen folgenschwere Erkrankungen nach sich ziehen. Sie würden Multiple Sklerose, Autismus, Epilepsie oder vielleicht Morbus Crohn auslösen. Bei jeder neuen Impfung dreht sich das Karussell der Behauptungen neu. Doch beweisen, in soliden Studien, konnte man diese Horrorszenarien bisher nicht.

Auch stehen Kombinationsimpfungen und Adjuvantien regelmäßig im Fadenkreuz.

Wahr ist und wird auch in den Empfehlungen bzw. Hinweisen des Robert Koch-Instituts erwähnt, dass bei MMR-V-Impfungen (Mumps-Masern-Röteln-Varizellen) möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Fieberkrämpfe besteht (im Vergleich zu MMR-Impfung; Mumps-Masern-Röteln). Insbesondere bei einer positiven Anamnese (Vorgeschichte) sollte auf eine Verwendung von MMR-V-Impfstoffen deshalb verzichtet werden. Ersatzweise steht aber eine Impfung MMR + V zur Verfügung. Wir beraten Sie hier gerne.

Andere Behauptungen über Kombinationsimpfstoffe gehören eher ins Reich der Märchen und Fabeln. Insbesondere die in den Mehrfachimpfstoffen für Säuglinge enthaltene Pertussis-Komponente wird in besagten Kombinationsimpfstoffen für die gravierenden Nebenwirkungen angeschuldigt. Sie wäre ursächlich verantwortlich für den plötzlchen Kindstod oder auch andere Erkrankungen (Epilepsie, MS,…). Doch wie erwähnt lassen sich diese Behauptungen nicht wissenschaftlich begründen.

 

Multiple Sklerose und Impfungen

Sicherlich ein häufiges Thema ist die Induktion (Begünstigung oder Verursachung) von MS durch eine Impfung. Jede neue Impfung gerät in Verdacht als möglicher Auslöser in Frage zu kommen. So stand die Hepatitis B-Impfung, später die HPV-Impfung oder die verwendeten Adjuvantien im Verdacht. Einen wirklichen Beweis ist bisher jedoch jeder Berichterstatter schuldig geblieben.

238.371 Personen, Ascherio et al, New Engl. J. o. Med. 2001; 344; 327

Zumindest bei der Hepatitis B-Impfung konnte in einer Fall-Kontrollstudie (238.371 Personen, Ascherio et al, New Engl. J. o. Med. 2001; 344; 327) eine Beeinflussung widerlegt werden. Erhoben wurden die Daten bei amerikanischen Krankenschwestern (hohe Impfraten für Hepatitis B). Zuerst wurden alle an MS-Erkrankten in der Patientengruppe zusammengefasst. Ihr wurde eine gesunde Kontrollgruppe (angeglichen auf Altersverteilung der Patientengruppe) gegenübergestellt. Nun verglich man in beiden Gruppen den Anteil und den Zeitpunkt der Hepatitis B-Immunisierung.

Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den prozentualen Anteilen der erkrankten und gesunden Krankenschwestern. Provokant könnte man das Studienergebnis mit einer gewissen Ironie so interpretieren, dass eine zeitnahe Impfung sogar vor einer MS schützt. Denn hier liegt das Risiko der Geimpften unter dem der Ungeimpften. Diese Aussage ist zwar nicht haltbar, zeigt aber, dass man in Zahlen vieles hineininterpretieren kann. Man muss ihnen mit genügendem Respekt oder besser gesunder Skepsis gegenübertreten.

 

MMR und Autismus!

Eine ähnliche Behauptung gab es für die Kombinationsimpfung MMR (Mumps-Masern-Röteln). Sie sollte bei Kindern vermehrt Autismus auslösen! Damals war man angeblich in einer "Mini"-Studie zu dieser gravierenden Erkenntnis gekommen, die sogar in dem medizinischen Fachblatt "The Lancet" publiziert wurde.

Inzwischen weiß man, dass es sich schlichtweg um Betrug gehandelt hatte. Doch die Sorgen und Ängste halten sich weiter in der Bevölkerung.

Weitere Informationen finden sich auch unter:
… MMR und Autismus! Folgenschwere Behauptung