Ziele einer Immunisierung

Warum impfen wir...

Eine Impfung schützt vor einer Infektionskrankheit. Doch hierbei sind mehrere Ziele, die mit der Impfung erreicht werden sollen, zu unterscheiden:
  • Individualschutz
  • Herdenimmunität
  • Ausrottung einer Erkrankung

Individualschutz

Wie sich vermuten lässt, bezeichnet dies die Absicht den Einzelnen mit einer Impfung zu schützen. Die verbreiteteste und geläufigste Impfung mit dieser Indikation ist die Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf). Da das Bakterium überall vorkommt, ist eine stetige Bedrohung gegeben und eine Ausrottung unmöglich.

Aber auch andere Impfungen fallen in diesen Bereich. Ziel bleibt, dass der Einzelne sich selbst schützen möchte.

Herdenimmunität

In der Gruppe hat eine Impfung noch ein weiteres Ziel: das Erreichen einer Herdenimmunität, um so auch die Gruppe zu schützen. Krankheiten, die nur bzw. hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen werden, können durch einen ausreichenden Impfschutz in der Gruppe eingedämmt werden.

Im nebenstehenden Beispiel sind zwei Gruppen gezeigt. Gruppe A (links) mit einer niedrigen Durchimpfungsrate (10%) und Gruppe B (rechts) mit einer hohen (90%). Kommt es nun innerhalb beider Modellpopulationen zu einer Ansteckung von außerhalb (rot), können weitere Kontaktpersonen ohne Immunität (orange: nicht geimpft bzw. kein ausreichender Schutz nach einer durchgemachten Erkrankung) angesteckt werden.

Die weiteren Abbildungen zeigen einen schematischen Verlauf. In der Gruppe A können die angesteckten Personen (orange) erkranken (rot) und später erneut weitere Personen anstecken (orange). Die Erkrankung breitet sich wie ein Lauffeuer aus.

In der Gruppe B wird nur eine ungeschützte Kontaktperson angesteckt und erkrankt. Eine weitere Ausbreitung wird durch geschützte Personen (blau) abgeriegelt. Der Erreger erreicht die anderen ungeschützten Personen (grau) in dieser Population nicht. Eine weitere Ausbreitung kann so verhindert werden.

Sicherlich soll dies nur den Sachverhalt der Herdenimmunität bildlich verdeutlichen. Aber es wird klar, dass es einer gewissen Durchimpfungsrate bedarf, um einen solchen Schutz zu erhalten. Dann kann die Gemeinschaft auch das Risiko ungeimpfter Personen (Non-Responder, Impfgegner,…) mittragen.

Ob und wie "aufwändig" sich eine Herdenimmunität etablieren lässt, hängt von verschiedenen Faktoren (Übertragungsmechanismus, Grad der Infektiosität = Kontagiositätsindex, Dauer der Infektiosität, Stabilität des Erregers, Reservoire des Erregers,…) ab. Im Allgemeinen werden Durchimpfungsraten für Herdenimmunität von ca. 85% (z.B. Poliomyelitis) bis ca. 95% (z.B. Masern) angegeben.

Dass ein Erreichen immer wieder sozusagen auf Messersschneide steht, zeigt das Beispiel der Masernimpfung. Grundsätzlich war bereits eine Ausrottung für 2010 geplant. Doch durch fehlende Impfbereitschaft konnte bisher keine Herdenimmunität langfristig und global erreicht werden.

"Herdenwechsel"

Dies ist die Verbindung zwischen Herdenimmunität und Individualimmunität. Verlässt man sozusagen seine Herde (Reise, Arbeitsplatz,...), so ändert sich auch das persönliche Risiko. Ob man dann auch der "neuen" Herde vertrauen möchte oder lieber auf einen individuellen Schutz setzt, sollte sicher diskutiert werden.

Ausrottung einer Erkrankung

Für Keime, die nur den Menschen befallen, kann man bei ausreichenden Durchimpfungsraten über Jahrzehnte eine Ausrottung erreichen. Wenn nahezu alle Menschen geimpft sind (vgl. Herdenimmunität), ist eine Übertragung der Krankheit nicht mehr möglich. Der Erreger "stirbt" sozusagen aus.

Es gelang bereits für die Pocken (1977). Geplant waren eine Ausrottung der Poliomyelitis (2010, weltweit) und der Masern (2007, Europa). Doch leider ist dies bisher nicht gelungen.

Allgemeine Vorraussetzung für eine Ausrottung über eine Impfung sind:

  • Es muss eine ausreichend hohe Durchimpfungsrate (abhängig vom Erreger, vgl. oben 80-95%) über einen längeren Zeitraum bestehen.
  • Der Mensch ist der einzige Wirt des Erregers.
  • Die Impfung muss die Infektion unterbinden und nicht nur die Erkrankung verhindern.