Gelbfieber

Erreger / Pathogenese

Gelbfieber-Virus, Quelle: CDC Aedes aegypti, Quelle: CDC
Gelbfieber zählt als Erkrankung zu dem hämorrhagischen Fieber und wird durch das Gelbfieber-Virus verursacht. Das Gelbfieber-Virus ist ein 40-50nm großes, behülltes +RNA-Virus aus der Gruppe der Arboviridae in der Familie der Flaviviren. Es wird durch Stechmücken als Vektor (Aedes- oder Haemagogus-Stechmücken) von Wirt zu Wirt übertragen.

Ansteckung / Inkubation

Die Ansteckung bzw. Übertragung erfolgt über infizierte Vektoren (Stechmücken: Aedes sp.) bei der Blutmahlzeit. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Bluttransfusionen) möglich.

Inkubationszeit: 3-6 Tage

Krankheitsverlauf / Diagnostik

In vielen Fällen verläuft die Erkrankung symptomlos bzw. vergleichsweise symptomarm (insb. bei Kindern). Regelhaft zeigt sich ein zweiphasiger Krankheitsverlauf.

Zunächst kommt es zu akuten allgemeinen Krankheitszeichen (1. Phase) mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, teilw. Nasenbluten und einer relativen Bradykardie (langsame Herzfrequenz). Diese Symptome sind innerhalb weniger Tage rückläufig (3-4 Tage). Bei der Mehrzahl der Patienten tritt eine Genesung ein. Möglicherweise schließt sich mit der toxischen Phase die zweite Phase an.

Komplikationen

Bei ca. 15% der Erkrankten entwickeln sich, zum Teil nach einer kurzen Besserung, weitere Symptome. In dem als toxische Phase bezeichneten Abschnitt der Erkrankung kommt es erneut zu Fieber, Bradykardie und Blutungen (Rachenraum, Magen-Darm-Trakt [kaffeesatzartigem Bluterbrechen und blutigen Durchfällen], in der Haut und anderen Organen). Schließlich kommt es zu einem Ikterus (Gelbsucht), einer Störung der Nierenfunktion und Störungen des ZNS. Die Letalität der toxischen Phase wird mit 50% angegeben. Die Gesamtletalität der Gelbfieberinfektionen mit 10-20%.

Immunität

Eine überstandene Gelbfieberinfektion, auch eine inapparente Infektion, führt zu einer lebenslangen Immunität.

Therapie

Eine kausale Therapie steht nicht zu Verfügung.

Epidemiologie

Gelbfieber-Risiko 1985-1999, Quelle: WHO Gelbfieber-Impfung 2010, Quelle: WHO Gelbfieber-Impfung 2010, Quelle: WHO
Der Ursprung des Gelbfiebers ist auf dem afrikanischen Kontinent. Aber durch Handels- und Sklavenschiffe verbreitete sich die Krankheit auch nach Süd- und Mittelamerika. Es wurden Viren (über erkrankte Wirte, z.B. Sklaven) und auch der Vektor (Stechmücke) eingeschleppt. Inzwischen kommt auch hier Gelbfieber endemisch vor. Man findet Gelbfieber in tropischen Gebieten auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Ausbreitung der Erkrankung hängt eng von Verbreitung des Virus im Wirt (Affen, Menschen, …) und Vorkommen des Vektors (Stechmücke, …) ab.

Die Gelbfieberzone Afrikas erstreckt sich etwa von 15° nördlicher bis 18° südlicher Breite. In Südamerika umfasst der Gelbfiebergürtel zwölf Länder sowie zusätzlich einzelne Inseln in der Karibik. Besonders betroffen sind in dieser Region die Länder Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru. (aktuelle Informationen: WHO „International travel and health“)

Weltweit werden pro Jahr laut WHO ca. 200.000 Erkrankungsfälle und rund 30.000 Sterbefälle an Gelbfieber geschätzt. Aufgrund der empfohlenen und meist auch verlangten Impfungen sind Erkrankungen bei Reisenden selten. Sie treten meist nur bei ungeimpften Personen auf, verlaufen hier aber häufig tödlich.

Reservoir und Übertragung

In erster Linie zirkuliert das Virus im Tierreich (z.B. Affen). Ähnlich anderer im Tierreich zirkulierender Erkrankungen (z.B. FSME) ist somit durch eine Impfung eine Ausrottung der Erkrankung nicht möglich. Lediglich ein Indiviualschutz kann durch eine Impfung aufgebaut werden. Der Gelbfieber-Zyklus im Urwald bzw. Regenwald zwischen Affen und Stechmücken bezeichnet man auch als sylvatischen Zyklus (silva lat. für Wald) oder "Dschungel-Gelbfieber". Hier kommt es nur zu sporadischen Infektionen eines Menschen.

Im Gegensatz zu diesem steht das sogenannte urbane Gelbfieber bzw. der urbane Zyklus. Bei einer ausreichenden Dichte von nicht-immunen Menschen kann der Mensch als Reservoir dienen.

Steckbrief Erreger
Erreger: Gelbfiebervirus (behülltes +RNA-Virus)
meldepflichtig sind Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod
Übertragung: Vektorübertragung über Stechmücken
Inkubationszeit: 3-6 Tage
Krankheitsbild:

Regelhaft zeigt sich ein zweiphasiger Krankheitsverlauf.

  1. akute allgemeine Krankheitszeichen (Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, teilw. Nasenbluten und eine relative Bradykardie (langsame Herzfrequenz).
  2. toxische Phase: erneut Fieber, Bradykardie und Blutungen, schließlich Ikterus (Gelbsucht), Störung der Nierenfunktion und Störungen des ZNS. (Gesamtletalität 10-20%)

 

Diagnose: Die Diagnose wird klinisch, d.h. aus dem Krankheitsbild, gestellt.
Eine ergänzende Labordiagnostik ist möglich.
Behandlung: symptomatische Therapie, Verhinderung von Komplikationen

Impfstoff

Steckbrief Impfstoff
Impfstoff: Lebendimpfstoff 17-D
Impfempfehlung:

entsprechend Impfempfehlung des Reiselandes

mind. 10 Tage vor Einreise in das Endemiegebiet

Impfschutz: Beginn: 10-14 Tage nach der Impfung (ca. 90% Schutz); nach 1 Monat 95-100%
Dauer: 10 Jahre (ggf. länger; Gültigkeit aber nur 10 Jahre)
Auffrischung: Gültigkeit einer Impfung 10 Jahre
Impfabstände: Als Lebendimpfstoff sind Abstände zu anderen Lebendimpfungen (z.B. Rotaviren, Mumps, Masern, Röteln, Varizellen, ...) und zu einer möglichen passiven Immunisierung (z.B. Tetagam®) zu beachten.

andere Lebendimpfungen
Andere Lebendimpfungen können entweder geichzeitig (z.B. MMR / MMR-V) oder in einem Abstand von mind. 4 Wochen (besser 6 Wochen) gegeben werden. Zu Totimpfstoffen ist kein besonderer Abstand einzuhalten.

passive Immunisierung - Abstand zu beachten!
Die Gabe von Immunglobulinen kann für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten die Wirksamkeit von Impfungen mit Lebend-Impfstoffen wie z. B. gegen Gelbfieber oder auch Mumps, Masern, Röteln und Varizellen beeinträchtigen. Nach Verabreichung von z.B. Tetagam® sollte ein Abstand von mindestens drei Monaten vor der Impfung mit Virus-Lebend-Impfstoffen eingehalten werden.
Alter: ab vollendetem 9. Lebensmonat
Lokal- und Allgemeinreaktionen: Lokalreaktionen innerhalb von 1-3 Tagen nach Impfung selten länger anhaltend, gelegentlich Schwellung der zugehörigen Lymphknoten; sehr selten: Bildung eines Knötchens an der Stichstelle. Außerdem treten Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, grippeähnliche Symptome oder Magen-Darm-Beschwerden gelegentlich auf. In der Regel sind diese Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Komplikationen:

Allergische Reaktionen sind wohl aufgrund des Herstellungsverfahrens (Hühnerembryonen) besonders zu erwähnen. Bei bekannter Allergie gegen Hühnereiweiße ist eine Impfung nicht möglich.

In Einzelfällen kann es zu Erkrankungen des peripheren Nervensystems (z.B. Mono- und Polyneuritiden, Guillain-Barré-Syndrom) kommen. Auch sind andere Organkomplikationen (auch mit Todesfolge) als Fallbeschreibungen erwähnt, die aber angesichts der hohen Anzahl der verwendeten Impfungen (weit über 100 Millionen) sicherlich als Einzelfälle zu sehen sind.

Quellen: Epidemiologische(s) Bulletin(s), Robert Koch Institut
  Bernhard-Nocht-Institut (Tropenmedizin Hamburg)
  www.reisemedizin.de
  www.impfakademie.de
  www.fit-for-travel.de
  www.impfservice.de
  www.impfen-aktuell.de
  www.reisemed.at
  Centrum für Reisemedizin
  WHO (www.who.int, www.who.int/immunization_monitoring)
   

Hinweis: An dieser Stelle sind allgemeine Informationen zu der Erkrankung genannt. Auch die im Steckbrief aufgeführten Daten sind nur eine Zusammenfassung und beinhalten nicht alle möglichen Symptome oder Komplikationen nach einer Impfung. Hierzu bitten wir andere Quellen (z.B. www.fachinfo.de), zu Rate zu ziehen. Außerdem empfehlen wir für Patienten eine ärztliche Rücksprache zu Fragen vor einer entsprechenden Impfung.