jap. Enzephalitis

Erreger / Pathogenese

Die Japanische Enzephalitis wird durch das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) ausgelöst. Es handelt sich hierbei um ein umhülltes einzelsträngiges RNA-Virus der Familie der Flaviviridae (auch in der Familie: Gelbfieber-Virus, FSME-Virus, Dengue-Virus,…), welches durch den Stich von Mücken (Culex-Mücken) übertragen wird.

Nach dem Stich einer infizierten Mücke gelangt das Virus in den Körper und vermehrt sich zunächst in regionalen Lymphknoten. Später kommt es wahrscheinlich zur generalisierten Ausbreitung und so auch zur ZNS-Infektion.

Ansteckung / Inkubation

Die Japanische Enzephalitis ist eine Zoonose. Eine Ansteckung erfolgt durch den Stich einer infizierten Mücke. Denkbar wäre auch eine Übertragung durch infizierte Blutprodukte, die ist aber sicherlich sehr selten.

Inkubationszeit: 4-14 Tage

Bislang zeigte sich eine relativ geringe Belastung der Mücken mit dem Virus. Nur ca. 3% der Mücken sind mit JEV infiziert.

Krankheitsverlauf / Diagnostik

Die überwiegende Mehrzahl der Infektionen verläuft unbemerkt. Nur 1 von 250-500 Infektionen wird symptomatisch. Auch kommt es häufig nur zu geringen grippeähnlichen Allgemeinsymptomen. Bei ca. 10% hingegen verläuft die Erkrankung jedoch schwer. Es kommt zu Kopfschmerzen, Fieber, Hirnhaut- sowie Gehirnentzündung. Im weiteren Verlauf können Muskelkrämpfe, Zittern in Armen und Beinen sowie Lähmungen auftreten. Bei 30-40% dieser Erkrankten bleiben Nervenschäden oder psychische Veränderungen zurück. Die Sterblichkeit wird je nach Quelle mit sehr großer Spannbreite von 1%, 25% über 40% bis 60% angegeben. Dies ist sicherlich auch durch die unterschiedlich gute medizinische Versorgung begründet.

Therapie

Es erfolgt eine symptomatische Therapie. Eine spezifische antivirale Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung.

Epidemiologie

Das Vorkommen der Japanischen Enzephalitis ist auf Süd-, Südost- und Ostasien konzentriert. Dies liegt in der Übertragung des Virus begründet. Die übertragende Mücke ist überwiegend in Asien und Südostasien verbreitet (Gebiete in Pakistan und Australien sind aber bereits durch die Mücke besiedelt). Ein weiterer Faktor ist das Vorhandensein von Wirtstieren. Als eigentliche Wirte dienen wildlebende Vögel (Auftreten abhängig von Zugverhalten), Reptilien und Fledermäuse. Zwischenwirte für das Virus sind neben dem Menschen auch domestizierte Tiere (Schweine, Pferde). Als dritter Faktor kommt das Vorhandensein von Laichplätzen für die Mücken als Risiko für einen möglichen Mückenstich oder eine Infektion hinzu. Reisanbauflächen, Bewässerungsreservoire oder ähnliches dienen als Brutplatz. Selbst Regen in alten Autoreifen wird genutzt. Somit zeigt sich eine zeitliche Häufung in Abhängigkeit von der Witterung (Regenzeit) und entsprechend der Mückenpopulation. In gemäßigten Regionen wird die Krankheit meist zwischen Mai und September übertragen. In tropischen und subtropischen Regionen zeigt sich ein Zusammenhang zur Regenzeit. Die Mücke ist abends und nachts aktiv und hat einen Flugradius von 1-2km.

Zu finden ist das JEV in allen südostasiatischen Ländern. In den gemäßigten Klimaregionen und den subtropischen Gebieten gibt es eine gewisse Saisonalität (April – Oktober). Je nach Region werden Inzidenzen von 10-100 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr angegeben.

Reservoir und Übertragung

Als Wirte dienen Schweine, Wasservögel und evtl. andere Tiere. Durch Stechmücken wird das Virus beim Saugakt übertragen.

Somit stellen naher Kontakt zu Tieren (z.B. landwirtschaftliche Region) mit umgebenden Wasserflächen, als Lebensraum der Mücken (z.B. Reisanbau oder nach starken Regenfällen), ein besonderes Risikogebiet dar. Stark urbanisierte Flächen hingegen sind somit weniger gefährdet. Dennoch sollte auf einen "Mückenschutz" geachtet werden.

Steckbrief Erreger
Erreger: Japanisches Enzephalitis-Virus (JEV)
Infektionsquelle: Schweine, Wasservögel und evtl. andere Tiere
Übertragung: Durch Stechmücken wird das Virus beim Saugakt übertragen.
Inkubationszeit: 4-14 Tage
Krankheitsbild:

Anfänglich unspezifische Allgemeinsymptome, später ZNS-Beteiligung

milde Verläufe führen zu Genesung, bei schweren Verläufen bleibende Restschäden, letaler Verlauf möglich

Behandlung: nur symptomatische Behandlung möglich

Impfstoff

Das Wichtigste ist ein ausreichender Mückenschutz. Durch diesen lässt sich nicht nur das Risiko für die Japanische Enzephalitis deutlich reduzieren. Diese Maßnahme greift auch bei anderen durch Insekten übertragenen Erkrankungen (z.B. Malaria, Gelbfieber, Dengue,…).

Urlauber und Reisende haben sicherlich ein relativ geringes Risiko, an der Japanischen Enzephalitis zu erkranken. Einheimische hingegen werden nahezu alle infiziert. Es kommt zu einer Immunität oder zu einer Erkrankung mit Folgeschäden oder Tod.

Das Infektionsrisiko für Einreisende steigt mit verschiedenen Faktoren: Aufenthaltsdauer, Aufenthaltszeitpunkt (während der mückenreichen Jahreszeit) und Art der Reise (Reise in ländliche Gebiete). Weiter zeigt sich bei älteren Menschen ein erhöhtes Risiko, nach einer Infektion zu erkranken. Außerdem besteht bei Schwangeren, insbesondere im ersten und zweiten Trimenon, das Risiko einer Fruchtschädigung.

Steckbrief Impfstoff
Impfstoff:
  1. Totimpfstoff gezüchtet auf Gewebekulturen (Ixiaro®), mit EU-Zulassung (ab 18. Lebensjahr)
    Seit April 2009 wurde erstmalig ein Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis in der EU zugelassen.
    Er wird aus Gewebekulturen gewonnen und nicht wie andere Präparate aus Tierpräparaten.
    Impfschutz: nach der 2. Impfung erreichen ca. 99% der Probanden einen schützenden Antikörper-Titer
     
  2. Totimpfstoff auf Mäusehirnzellen kultivierter Virus, formalininaktiviert
    Zusätze: Thiomersal, Gelatine, Spuren Formaldehyd und Protein
    Impfstoff in Deutschland nicht zugelassen
Impfempfehlung:

Die Impfung ist zu empfehlen entsprechend dem Reiserisiko (längerer Aufenthalt, einfache Wohnverhältnisse mit z.B. Aufenthalt im Freien ohne Mückenschutz, Regenzeit,…). Die WHO empfiehlt die Impfung bei: "Aufenthalt über 4 Wochen in ländlichen Gebieten während der Hauptübertragungszeit".

  1. Impfschema: 0-28 Tage
  2. Beispielhaftes Impfschema eines Herstellers: 0 - 7d - 14-30d
Impfschutz:
  1. Nach der 2. Impfung erreichen ca. 99% der Probanden einen schützenden Antikörper-Titer.
  2. Beginn: 10-14d nach zweiter Impfdosis
Auffrischung:
  1. keine Informationen
  2. beispielhaft: nach 3 Jahren bei Notwendigkeit (z.B. erneuter oder längerfristiger Aufenthalt in Endemiegebiet)
Lokal- und Allgemeinreaktionen:
  1. Der neue Impfstoff (EU-Zulassung) auf Zellkulturbasis erzeugt eine vergleichbare Immunität (Antikörperbildung) wie der Standardimpfstoff. Aus theoretischer Sicht (aufgrund fehlender Verunreinigungen mit Gelatine und Fremdproteinen) wird vom Hersteller hingegen eine verbesserte Verträglichkeit des neuen Impfstoffs erwartet. Näheres wird sich nach längerer Anwendung des Präparates zeigen. Auch ist eine Aussage zur Häufigkeit sehr seltener und schwerwiegender Nebenwirkungen derzeit nicht abschließend möglich.
  2. lokale Reaktionen an der Impfstelle (ca. 20%), Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen (ca. 10%), allergische Reaktionen. Beipackzettel beachten!
    Gegenanzeigen: Herz- und Nierenkrankheiten, Schwangerschaft, Stillzeit.
    ACHTUNG: fehlende Produkthaftung, da keine Zulassung in Deutschland!

    Hinweis: Da der Impfstoff in Deutschland nicht zugelassen ist, sind eine besondere Aufklärung und sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung vor Impfung notwendig.
Quellen: Epidemiologische(s) Bulletin(s), Robert Koch Institut
  Bernhard-Nocht-Institut (Tropenmedizin Hamburg)
  www.reisemedizin.de
  www.impfakademie.de
  www.fit-for-travel.de
  www.impfservice.de
  www.impfen-aktuell.de
  www.reisemed.at
  Centrum für Reisemedizin
  WHO (www.who.int, www.who.int/immunization_monitoring)
   

Hinweis: An dieser Stelle sind allgemeine Informationen zu der Erkrankung genannt. Auch die im Steckbrief aufgeführten Daten sind nur eine Zusammenfassung und beinhalten nicht alle möglichen Symptome oder Komplikationen nach einer Impfung. Hierzu bitten wir andere Quellen (z.B. www.fachinfo.de), zu Rate zu ziehen. Außerdem empfehlen wir für Patienten eine ärztliche Rücksprache zu Fragen vor einer entsprechenden Impfung.