Mumps

Ziegenpeter

Erreger / Pathogenese

Bild: Mumps-Virus, Quelle: CDC
Mumps (Rubula, Parotitis epidemica) oder umgangssprachlich auch Ziegenpeter ist eine hoch ansteckende Virusinfektion (Kontagiositätsindex 40-80%). Die typischen Symptome wurden bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. von Hippokrates beschrieben: "Schwellung vor den Ohren (Entzündung der Speicheldrüsen) ... bei jungen Leuten ... mit schmerzhaften Entzündungen der Hoden ... doch im allgemeinen wieder zurückgehend und ohne kritische Phänomene."

Beim Mumpsvirus (Paramyxovirus parotitidis) handelt es sich um ein einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae (Gattung Rubulavirus). Der Mensch ist das einzige Reservoir. Mumps kommt weltweit endemisch vor.

Nach einer Aufnahme des Virus in den Respirationstrakt kommt es zur Virusvermehrung im Nasen-Rachen-Raum. Nach 12-24 Tagen kommt es schließlich zu einer Virämie. Es werden die Speicheldrüsen, häufig auch Pankreas, Hoden oder Ovarien sowie Meningen oder andere Organe befallen.

Ansteckung / Inkubation

Mumps ist wie alle Kinderkrankheiten eine hoch ansteckende Infektionskrankheit. Im Vergleich wird das Maß der Übertragungsfähigkeit (Kontagiosität) von Mumps gegen über Masern oder Windpocken jedoch als deutlich geringer eingestuft.

Die Übertragung der ausschließlich den Menschen befallenden Infektion erfolgt als Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Man findet das Mumpsvirus in Speichel und Nasen-/Rachensekret, Stuhl und Urin sowie in Muttermilch von infizierten Personen. Für die Übertragung haben aber Urin, Stuhl oder Muttermilch nahezu keine Bedeutung.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 16-18 Tage (12-25 Tage sind möglich). Zu beachten ist, dass auch symptomlose Infektionen als Überträger dienen können und so zur Ausbreitung beitragen.

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt ab dem 5-7. Tag vor Schwellung der Speicheldrüsen. Sie endet mit dem endgültigen Abschwellen der Speicheldrüsen (in der Regel 8-9 Tage nach Auftreten der Symptome). Die größte Virusdichte in den Sekreten und somit Ansteckungsfähigkeit zeigt sich im Intervall 2 Tage vor bis 4 Tage nach Erkrankungsbeginn.

Unter diesen Gesichtspunkten und in Anbetracht von möglichen asymptomatischen Überträgern muss bei vorher Nicht-immunen (virusnaiv, keine vorherige nachgewiesene Erkrankung, keine Impfung) mit einer möglichen Ansteckungsfähigkeit bis zu einem Zeitpunkt von 12-25 Tagen nach Kontakt gerechnet werden.

Krankheitsverlauf

Bild: Junge mit Mumps
Quelle: Heinrich Weingaertner
Ein großer Teil der Mumps-Infektionen verläuft symptomlos ohne jegliche Symptome (stille Feindung) oder symptomarm (30-40%). Meist kommt es zu uncharakteristischen Kankheitssympomen mit leichter Temperaturerhöhung, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Insbesondere bei Kindern < 5 Jahre verläuft eine Mumpsinfektion häufig unter dem klinischen Bild einer Infektion der oberen Atemwege (40-50%).

typischer Krankheitsverlauf

Auch hier beginnt die Erkrankung meist unspezifisch mit (sub)febrielen Temperaturen, Mattigkeit und evtl. Ohren-, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Im Verlauf kommt es dann durch die Infektion der Speicheldrüsen (ein- oder beidseitig: "Hamsterbäckchen"; Glandula parotis, teilweise auch Glandula submandibularis oder Glandula sublingualis) zu den klassischen Symptomen: Fieber, schmerzhafte Schwellung der Speicheldrüsen mit Schmerzen beim Kauen, durch die Schwellung typisch abstehende Ohrläppchen, ...

Seltener können neben diesen auch andere Drüsen betroffen sein (z.B. Pankreatitis [Bauchspeicheldrüse; 2-5% - hier Fettstühle], Orchitis [Hoden], Epididymitis [Nebenhoden], Oophoritis [Eierstöcke] oder Mastitis [Brustdrüse]).1 Hieraus resultieren auch spätere Komplikationen.

Die Dauer der manifesten Erkrankung beträgt in der Regel 3-8 Tage. Mit zunehmendem Lebensalter werden schwere Verlaufsformen, z.B. Manifestationen am ZNS, häufiger. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Mumps ist in den letzten Jahren zurückgegangen.

Komplikationen

Hirnhautentzündung

Die Mumpsmeningitis (Meningitis: Hirnhautentzündung; klinisch auffällig in ca. 3-10%, sehr viel häufiger unbemerkt)1 gehört zu den häufigen Komplikationen. Symptome dieser serösen Meningitis sind z.B. Kopf- oder Nackenschmerzen, Lichtscheu und schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus). Teilweise ist eine Mumpsmeningitis auch ohne die restlichen Symptome (Schwellung der Speicheldrüsen,...) möglich (bis zu 50% der berichteten Fälle).2

Deutlich seltener ist die Meningoenzephalitis (Hirnentzündungen; 0,1%).2 Teilweise sind die neurologischen Symptome (z.B. Lähmung, Schwindel,...) nach Genesung rückläufig. Über die Anzahl oder das Risiko einer persistierenden Schädigung über die Erkrankung hinaus findet man unterschiedliche Angaben. Von selten bis zu einem Risiko von 50% findet sich hier ein weit gefächertes Spektrum.1,3

Taubheit

Eine seltene aber gefürchtete Komplikation. Tritt in seltenen Fällen in Verbindung mit der Mumpsmeningitis auch eine Akustikus-Neuritis oder Labyrinthitis auf, kann dies eine Innenohrschwerhörigkeit zur Folge haben (1 Fall auf 10.000 Erkrankte). Es resultiert meist eine einseitige, selten eine beidseitige Ertaubung.1,3 Diese ist in den meisten Fällen permanent, bildet sich also im Verlauf nicht wieder zurück.

Hodenentzündung / Sterilität

Im Rahmen der Infektion mit dem Mumpsvirus kommt es in 25-30% bei Jungen und Männern auch zu einer Beteiligung des Hodens (Orchitis). Es kann hier als Spätfolge eine Beeinträchtigung bzw. eine vollkommene Unfruchtbarkeit resultieren.

Eierstöcke / Infekt in der Schwangerschaft

Bei Frauen kann eine Mumpserkrankung in seltenen Fällen zu einer Eierstockentzündung (Oophoritis) führen. Bei einem Infekt mit dem Mumpsvirus während einer Schwangerschaft ist in den ersten drei Monaten (1. Trimenon) mit einer erhöhten Rate von Fehlgeburten zu rechnen. Es wird hier ein Risiko bis zu 33% angegeben. Eine Fruchtschädigung im Sinne einer Mumps-Embryopathie ist nicht bekannt.

Immunität

Mumps ist eine systemische Infektionskrankheit. Sie führt in der Regel zu lebenslanger Immunität; Zweiterkrankungen sind möglich, aber selten.

Therapie

Eine spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung. Es erfolgt nur eine symtombezogene Behandlung (z.B. Analgetica oder Antipyretika).

Epidemiologie

Mumps ist eine auf den Menschen beschränkte Erkrankung. Der Erreger ist weltweit verbreitet. Vor Einführung des Impfstoffes gab es eine gewisse Saisonalität der Erkankung mit einer Häufung in der kälteren Jahreszeit. Außerdem wurden Mumpsepidemien in Abständen von 2-3 Jahren beobachtet. In ungeimpften Populationen traten Erkrankungen überwiegend im Kindes- und Jugendalter auf.

Durch Aufnahme von Mumps in die Impfempfehlungen der WHO konnten die Erkrankungszahlen deutlich reduziert werden. Leider wird die Impfempfehlung aber nicht in allen Ländern der Welt auch umgesetzt.

In den impfenden Ländern zeigt sich eine deutliche Reduktion der Mumpsfälle. Durch die häufige Verwendung von Kombinationsimpfstoffen (z.B. MMR), auch im Rahmen der Maserneradikation, wird Mumps quasi "mit ausgelöscht". Einige Länder konnten dies bereits fast erreichen. Mumps ist hier eine Seltenheit geworden.

Reservoir und Übertragung

Eine Übertragung des Mumpsvirus erfolgt als Tröpfchen- und Schmierinfektion. Infektiös sind hierbei vor allem Speichel und Nasen-/Rachensekret. In Stuhl, Urin sowie in Muttermilch können zwar auch Viren nachgewiesen werden, für eine Übertragung haben diese jedoch im Grunde keine Bedeutung.
Steckbrief Erreger
Erreger: Mumpsvirus (Paramyxovirus parotitidis): einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae (Gattung Rubulavirus).
Infektionsquelle: Der Mensch ist das einzige Reservoir.
Mumps kommt weltweit endemisch vor.
Übertragung:

Tröpfchen- und Schmierinfektion
(meist direkter Kontakt, seltener durch mit Speichel kontaminierte Gegnstände)

Die Ansteckung besteht in der Regel 7 Tage vor bis 9 Tage nach Auftreten der Parotisschwellung. Sie ist 2 Tage vor bis 4 Tage nach Erkrankungsbeginn am größten.

Inkubationszeit: (12-)16-18(-25) Tage
Krankheitsbild:

Teilweise asymptomatische Verläufe (je nach Alter bis 30-40%).

Beginn häufig mit allgemeinen, unspezifischen Krankheitssymptomen: (sub)febrielen Temperaturen, Mattigkeit und evtl. Ohren-, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

schmerzhafte Schwellung der Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse, häufig auch beidseitig: "); Schmerzen beim Kauen und typisch abstehende Ohrläppchen

Seltener können neben diesen auch andere Drüsen betroffen sein (Pankreatitis, Orchitis,...)

Bei einer Erkrankung während/nach der Pubertät kommt es bei den männlichen Patienten häufiger zu einer Hodenentzündung (10-40%). Diese verläuft meist einseitig. Bei einer beidseitigen Entzündung kann dies zu einer späteren Zeugungsunfähigkeit führen.

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis, 5-10%) kann einen Diabetes mellitus zur Folge haben.

Dauer: 3-8 Tage.

Mit zunehmendem Lebensalter werden schwere Verlaufsformen, z.B. Manifestationen am ZNS, häufiger (bis zu 10-15%).

Diagnose:

Anamnese, Klinik
Serologie (Titer: IgM-Ak: frisch Infektion; IgG-Ak)

Behandlung:

symtomatische Therapie (entsprechend der Komplikationen - z.B. Pankreatitis)
Hinweis! Verbot des Besuchs öffentlicher Einrichtung bis 9 Tage nach Abklingen der Parotisschwellung

Impfstoff

Zwar beschrieb schon Hippokrates die Mumpserkrankung mit ihren typischen Symptomen, Mumps gegenüber anderen infektiösen Erkrankungen abzugrenzen gelang aber erst im 19. Jahrhundert.

John Franklin Enders, bekannt durch seine Verdienste um Polio und Masern, machte sich auch hier einen Namen. Ihm gelang 1945 die Isolierung und Anzucht des Mumpsvirus. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde 1948 eine inaktivierte Mumpsvaccine (Totimpfstoff) entwickelt, die bis 1970 Verwendung fand. Nachteil dieser Totimpfung war die Induktion einer sehr kurz andauernden Immunität. 1967 wurde schließlich der erste Lebendimpfstoff in den USA zugelassen (Stamm Jeryl Lynn). Eine Impfempfehlung wurde 1977 auch in Deutschland für den Lebendimpfstoff ausgesprochen. Zwischenzeitlich gibt es unterschiedliche Impfstoffstämme (abgeleitete Stämme z.B. RIT-4385 oder andere z.B. Leningrad 3, Urabe Am9).

In Deutschland sind derzeit Kombinationsimpfstoffe verfügbar als MMR (Priorix®, MMRvaxPro®) oder MMR-V (Priorix-Tetra®, ProQuad®) mit (bitte Herstellerangaben beachten):

  • Masern (Stammm Schwarz oder Edmonston/Enders)
  • Röteln (Stamm Wistar RA 27/3)
  • Varizellen (Stamm 0KA oder OKA Merck)

Alle Kombinationsimpfstoffe erzeugen in gleicher Güte für Mumps nach einmaliger Impfung Serokonversionsraten von >= 90%. Dies bedeutet, dass das Immunsystem spezifische Antikörper gegen das Mumpsvirus bildet und ein Schutz vor einer möglichen Infektion besteht. Leider ist der Langzeiteffekt bei einer Impfung nur gering. Hierzu wird eine zweite Boosterimpfung benötigt, mit der ein langfristiger Schutz erreicht werden kann. Neben dieser Boosterung hat die zweite MMR-Impfung, also auch Mumps-Impfung, auch einen weiteren Sinn. Als Lebendimpfung können hier mehr Faktoren ein Nichtansprechen der Impfung (Non-Responder) beeinflussen. So können gleichzeitige banale Infekte, schlecht gelagerte oder mangelhafte Impfstoffchargen, zuvor verabreichte Passivimmunisierungen (z.B. Tetagam), Medikamente (z.B. Kortikoide) oder andere Blut-/Serumprodukte den Impferfolg beeinträchtigen.

Kontraindikationen

Das abgeschwächte ("nicht so krank machende", aber Immunität erzeugende) Impfvirus wird heute auf Kulturen embryonierter Hühnerzellen angezüchtet. Bei einer Verwendung ist eine mögliche allergische Reaktion (Hühnereiweiß) zu beachten und außerdem handelt es sich hier, im Gegensatz zu vielen anderen Impfstoffen, um einen Lebendimpfstoff. Es ergeben sich somit einige zusätzliche Einschränkungen und Kontraindikationen (Näheres siehe Fachinfo des Herstellers):

  • Überempfindlichkeit gegen eine Impfung (z.B. MMR-Impfung) oder auch Bestandteil des Impfstoffs (z.B. Hühnereier)
  • Schwangerschaft (außerdem sollte nach einer Impfung bzw. Immunisierung eine Schwangerschaft verhindert werden)
  • Erkrankungen mit Fieber >38,5 °C
  • Aktive, unbehandelte Tuberkulose
  • Pathologische Blutbildveränderungen (Leukämie, Lymphome oder andere Malignome mit Auswirkung auf das hämatopoetische oder lymphatische System)
  • Angeborene oder erworbene Immundefekte (HIV, Leukämie,…) sowie eine immunsuppressive Behandlung (einschließlich hoher Dosen von Kortikosteroiden)
    Vor einer geplanten Immunsuppresion sollte somit nach Möglichkeit eine Immunisierung abgeschlossen sein!
  • Minderung des Impferfolges durch die Gabe von Blut-/Blutprodukten (z.B. Bluttransfusion) oder Immunglobulinen (passive Immunisierung - z.B.Tetagam®) für 3-11 Monate

Übertragung des Impfvirus

Grundsätzlich wäre bei einer Lebendimpfung eine Übertragbarkeit des Impfvirus auf ungeschützte Personen ähnlich der Impfpolio theoretisch möglich. Doch wurde dies in den langen Jahren der Anwendung, auch beim Masern- und Rötelnimpfstoff bisher nicht beobachtet. Eine Übertragung der Varizellen (MMR-V-Impfstoff) ist hingegen in seltenen Fällen möglich (vgl. Übertragung Varizellen bei Impfung)

Grundimmunisierung

Die Impfung ist Teil der Impfempfehlung der STIKO (Ständige Impfkommision) des Robert Koch-Institutes (vgl. Impfkalender). Hier erfolgt die Impfung als Kombinationsimpfstoff MMR oder MMR-V (Mumps, Masern, Röteln, Varizellen). Entsprechend der STIKO-Empfehlung erfolgt die Impfung zweimalig (im Alter von 11-14 und 15-23 Monaten - 2. Impfung frühestens 4 Wochen, bevorzugt 6 Wochen nach der 1. Impfung). Bis zum Ende des 2. Lebensjahres sollte die MMR-Impfung erfolgt sein, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen.

In den meisten Fällen erzeugt bereits die 1. Impfung eine ausreichende Immunität. Die 2. Impfung ist eine sog. Komplettierungsimpfung, durch sie sollen Impflücken in der Bevölkerung geschlossen werden. Ein Impfversagen der 1. Impfung (mgl. Fehler bei Impfchargen, verminderte Immunreaktion,...) soll so kompensiert werden und die Non-Responderrate minimiert werden.

Bei Versäumnis kann die Impfung grundsätzlich immer nachgeholt werden. Die Empfehlung der STIKO und die Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen endet mit vollendetem 18. Lebensjahr. Jedoch kommt es bei Lücken im Impfkalender meist auch zu Versäumnissen bzgl. Masern und Röteln. Bei Masern werden auch Nachimpfungen bei Personen, die nach 1970 geboren wurden, in gewissem Rahmen übernommen. Außerdem besteht bei Frauen im gebärfähigen Alter eine Nachimpfungsempfehlung für Röteln. Da in der Regel ein MMR-Impfstoff Verwendung findet, wird automatisch auch Mumps mit geimpft. (siehe Impfkalener, Impfempfehlung Masern, Röteln)

Grundsätzlich ist, wie bereits erwähnt, eine Impfung in jedem Alter möglich und auch sinnvoll. Erwachsene, die keine Immunität bestzen, und dies gilt auch für die anderen klassischen Kinderkrankheiten (Masern, Röteln, Windpocken), sollten sich impfen lassen. Die "Kinderkrankheiten" zeigen im Erwachsenenalter eine wesentlich höhere Komplikationsrate als bei einer "typischen" Infektion im Kindesalter.

Die meisten Kinder vertragen die Impfung gut. Durch die Lebendimpfung kommt es zu einer abgeschwächten Infektion. Somit kommt es gehäuft zu einer leichten Hautrötung oder Schwellung an der Impfstelle. Vereinzelt können auch leichte Symptome der Impfkrankheit (Fieber, Schwellungen der Speicheldrüsen als Folge der Mumpsimpfung) beobachtet werden. Als eigentliche Nebenwirkung sind diese nicht zu werten, da ja eine absichtliche Infektion mit einem abgeschwächten Virus erfolgt. Dies kann mit den sog. Impfmasern verglichen werden. Verhindert werden sollen die o.g. Komplikationen einer Mumpsinfektion.

Auffrischung

Grundsätzlich besteht zur Zeit keine Empfehlung zur Auffrischung der Grundimmunisierung. Man geht ähnlich einer Infektion von einer lebenslangen Immunität aus. In einigen Ländern (Großbritannien, USA, Moldawien) kam es trotz zweimaliger Impfung nach 10-20 Jahren zu Erkrankungen. Ob sich eine Änderung der Impfempfehlung ergibt, bleibt hier abzuwarten.

Postexpositionsprophylaxe

Im Rahmen eines Mumpsausbruches sollten alle (möglichen) Kontaktpersonen (ungeimpft, nur einmal geimpft) als Riegelimpfung geimpft werden. Angesichts der oben bereits beschriebenen Beobachtung (vgl. Auffrischung) wird inzwischen in einigen Ländern auch eine mögliche dritte Impfung, als postexpositionelle Prophylaxe empfohlen.
Steckbrief Impfstoff
Impfstoff: Lebendimpfstoff

eine Impfung erfolgt üblicherweise in Kombinationsimpfung:

Impfempfehlung: Teil der Standardimpfungen für Kinder und Jugendliche (vgl. Impfkalender)

Grundimmunisierung: 11.-14. Lebensmonat bzw. 15.-23. Lebensmonat.

Grundsätzlich gilt: Jede Impfung zählt!

Empfehlung für Deutschland: derzeit nicht Teil der Standardimpfungen, Indikationsimpfung (z.B. berufliche oder medizinische Indikationsimpfung), Reiseimpfung (Risikoindikation beachten!)

Impfschutz:

Man geht von 5-10% Non-Responder (Impfversagern) nach der 1. Impfung aus (vgl. Link). Dies wird durch ein Nichtansprechen des Impflings (z.B. gleichzeitige banale Infekte) oder durch Mängel bei der Impfstoffcharge (z.B. schlecht gelagerter Impfstoff) erklärt. Deshalb werden 2 Impfungen empfohlen.

Nach einer erfolgreichen Immunisierung vermutlich lebenslang.

Auffrischung: keine
Impfabstände: Als Lebendimpfstoff sind Abstände zu anderen Lebenimpfungen (z.B. Rotaviren, Masern, Röteln, Varizellen, Gelbfieber, ...) und zu einer möglichen passiven Immunisierung (z.B. Tetagam®) zu beachten.

andere Lebendimpfungen
Andere Lebendimpfungen können entweder geichzeitig (z.B. MMR / MMR-V) oder in einem Abstand von mind. 4 Wochen (besser 6 Wochen) gegeben werden. Zu Totimpfstoffen ist kein besonderer Abstand einzuhalten.

passive Immunisierung - Abstand zu beachten!
Die Gabe von Immunglobulinen kann für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten die Wirksamkeit von Impfungen mit Lebend-Impfstoffen wie z. B. gegen Mumps, Masern, Röteln und Varizellen beeinträchtigen. Nach Verabreichung von Tetagam® sollte ein Abstand von mindestens drei Monaten vor der Impfung mit Virus-Lebend-Impfstoffen eingehalten werden. Im Falle von Masern kann die Beeinträchtigung bis zu fünf Monaten anhalten. Deshalb sollten Patienten, die Masernimpfungen erhalten, ihren Antikörperstatus prüfen lassen.
Alter:

Grundimmunisierung zwischen dem 11.-14. Lebensmonat bzw. 15.-23. Lebensmonat.

Nachholimpfung grundsätzlich in jedem Alter mgl. (vgl. Impfkalender)

Lokal- und Allgemeinreaktionen:

Neben den Lokalreaktionen kommt es bei der Mumpsimpfung selten zu leichtem Fieber, eventuell sogar zu leichten Symptomen der Impfkrankheit (z.B. Schwellungen der Speicheldrüsen). Dies ist mit den sog. "Impfmasern" vergleichbar. In der Regel sind die Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.

Komplikationen:

Allergische Reaktionen sind wohl aufgrund des Herstellungsverfahrens (Hühnerembyonen) besonders zu erwähnen. Bei bekannter Allergie gegen Hühnereiweiße ist eine Impfung nicht möglich.

Weiter wurden Fieberkrämpfe bei Säuglinen, insb. bei Kombinationsimpfstoffen (MMR-V) ,beobachtet.

Neben diesen sind als sehr seltene Nebenwirkungen z.B. Aseptische Meningitis, Enzephalitis und Enzephalopathie, subakute sklerosierende Panenzephalitis beschreiben. Die oft ziterte Behauptung der Verursachung von Autismus konnte wiederlegt werden.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Fachinformation des Herstellers.

weiterführende Seiten

Quellen: Epidemiologische(s) Bulletin(s), Robert Koch Institut
  1) Epidemiologische(s) Bulletin(s), Ratgeber für Ärzte
  Bernhard-Nocht-Institut (Tropenmedizin Hamburg)
  www.reisemedizin.de
  www.impfakademie.de
  www.fit-for-travel.de
  www.impfservice.de
  www.impfen-aktuell.de
  www.reisemed.at
  Centrum für Reisemedizin
  WHO (www.who.int, www.who.int/immunization_monitoring)
   
  2) Herold, Innere Medizin 2012
  3) Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) (Hrsg.): Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 4. Aufl. Futuramed, München 2003, ISBN 3-923599-90-0

Hinweis: An dieser Stelle sind allgemeine Informationen zu der Erkrankung genannt. Auch die im Steckbrief aufgeführten Daten sind nur eine Zusammenfassung und beinhalten nicht alle möglichen Symptome oder Komplikationen nach einer Impfung. Hierzu bitten wir andere Quellen (z.B. www.fachinfo.de), zu Rate zu ziehen. Außerdem empfehlen wir für Patienten eine ärztliche Rücksprache zu Fragen vor einer entsprechenden Impfung.