Röteln (Rubella)

Geschichte

Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden viele exanthemathöse, also mit einem Hautausschlag einhergehende Infektionskrankheiten, nicht voneinander abgegrenzt. Bereits im 17. Jahrhundert war es während einer großen Masernepidemie in London Thomas Sydenhams gelungen, diese von den anderen Infektionskrankheiten abzugrenzen (vgl. Geschichte der Masern).

Eine erste Beschreibung der Röteln mit ihrem klinischen Verlauf wird den deutschen Ärzten de Bergan (1752) und Orlow (1758) zugeschrieben. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt man die Röteln für eine klinische Variante einer Maserninfektion. Aufgrund des damaligen hohen deutschen Einflusses in der Medizin und der deutschen Entdecker nannte man die Röteln im englischen Sprachgebrauch auch "German Measles".

Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es aber dennoch viele Mutmaßungen über die Verwandtschaft zwischen den "großen" exanthematösen Kinderkrankheiten Röteln, Masern und Scharlach. Erst 1814 gelang es dem deutschen Arzt George de Maton, die Röteln endgültig als eigenständiges Krankheitsbild abzugrenzen. Die medizinische Bezeichnung "Rubella" (vom lat. für rötlich) wurde erst 1864 vom britischen Militärarzt Henry Veale eingeführt. Trotz aller Erkenntnisse wurden die Röteln lange Zeit als eine harmlose Kinderkrankheit angesehen. Auch nach der Erkenntnis über die virale Genese (Hiro und Tasaka, 1938) änderte sich diese Ansicht nicht.

Erst 1941 wurde von dem australischen Augenarzt Norman McAlister Gregg eine Häufung des angeborenen grauen Stars (Katarakt) bei Kindern bemerkt, deren Mütter während der Schwangerschaft an Röteln erkrankt waren.

Bild: Sir Norman McAlister Gregg, 1892-1966
Quelle:Royal Prince Alfred Hospital Museum and Archives

Gregg fiel eine besagte Häufung des angeborenen grauen Stars in seiner Praxis auf. Zufällig erfuhr er in einem Gespräch zweier Mütter über ihre Röteln-Erkrankung während der Schwangerschaft. In weiteren Nachforschungen konnte er bei 68 von 78 Säuglingen einen Zusammenhang zwischen einer Rötelninfektion der schwangeren Mutter und dem Katarakt des Kindes beschreiben. Nach Veröffentlichung dieser Ergebnisse im Oktober 1941 ("Congenital Cataract following German Measles in the Mother" : "Kongenitale Katarakt folgend Röteln in der Schwangerschaft") meldeten sich weitere Mütter, die aber über andere Fehlbildungen berichteten (Zwei Mütter berichteten z.B. über eine isolierte Taubheit der Kinder). Auch die zweite Veröffentlichung Greggs ("Further Observations on Congenital Defects in Infants following Maternal Rubella" : "Weitere Beobachtungen über angeborene Defekte bei Säuglingen nach Maternal Röteln") fand international erst wenig Beachtung. Nachdem Oliver Lancaster (Arzt und Epidemiologe) die Daten analysierte und eine hochsignifikante Beziehung zwischen einer Rötelninfektion in der Schwangerschaft und den beschriebenen Fehlbildungen nachwies, wurde die Entdeckung Greggs auch weltweit anerkannt.

Später bezeichnete man die häufige Trias aus Herzfehler, Taubheit und Katarakt auch als Gregg-Syndrom. Zur Rötelnembryopathie oder auch dem kongenitalen Röteln-Syndrom werden inzwischen weiteren mögliche Folgeschäden (vgl. unten) hinzugezählt.

Nachdem die Zusammenhänge verstanden waren, änderte sich die Auffassung über die vormals harmlose Kinderkrankheit. Man befasste sich in zahlreichen Forschungen mit der Krankheit und suchte nach einem möglichen Impfstoff. 1962 gelang es das Rötelnvirus zu isolieren, was 1966 zur Anwendung in einem Lebendimpfstoff führte. Heute wird der Impfstamm RA 27/3 auf Grund der hohen Sicherheit und Wirksamkeit in den meisten Impfstoffen verwendet.

2007 wurde der Impfstoff bereits in 125 Ländern der Welt, meist in der Kombinationsimpfung MMR (Mumps-Masern-Röteln), angewendet. Die WHO hat sich 2012 als mittelfristiges Ziel neben der Masernelimination auch die Ausrottung des Rötelnvirus durch Impfung gesetzt.

Erreger / Pathogenese

Bild: Rötelnvirus
Quelle:CDC
Die Röteln (Rubella) wurden vor der Impfaera zu den typischen Kinderkrankheiten gezählt (neben Mumps, Masern oder Windpocken). Sie sind hoch ansteckend und werden durch das Rötelnvirus ausgelöst.

Das Rötelnvirus ist ein genetisch stabiles RNA-Virus, welches in der Familie der Togaviridae dem Genus Rubivirus zugeordnet wird. Ein Viruspartikel besteht aus der Lipidhülle mit den Glykoproteinen (E1 [Hämagglutininfunktion], E2), einem Nukleokapsid (Coreproteinen) und der Einzelstrang-RNA. Vom Rötelnvirus existiert nur ein Serotyp.

Ansteckung / Inkubation

Eine Übertragung des Virus erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt mit Sekreten des Nasen-Rachen-Raumes von Infizierten (teilweise auch Virusausscheidung über den Urin möglich).

Hierbei zeichnet sich das Virus durch eine relative Instabilität gegenüber Umwelt (UV-Licht, Hitze,…) oder Desinfektion (Formalin,…) aus.

Nach erfolgreicher Übertragung dringt das Virus schließlich in die Schleimhaut des oberen Respirationstraktes ein und vermehrt sich vornehmlich im lymphatischen Gewebe. Nach 5-7 Tagen kommt es dann zu einer Virämie (Ausbreitung des Virus über die Blutbahn).

In der Schwangerschaft besteht so die Möglichkeit einer diaplazentaren Übertragung; d.h., dass über die Plazenta das Kind im Mutterleib infiziert wird. Je nach Alter der Schwangerschaft resultieren mögliche Schädigungen: Kongenitales Röteln-Syndrom.

Inkubationszeit: (12-)14-21(-23) Tage; im Mittel: 18 Tage

Ansteckungsfähigkeit:
  • bereits 1 Woche vor Ausbruch des Exanthems
  • bis zu 1 Woche nach Auftreten des Exanthems
  • Maximum: mit Auftreten des Exanthems

Hinweis: Neugebore mit einem kongenitalen Rötelnsyndrom scheiden das Virus bis zu 2 Jahre aus (auch über den Urin) und können so Kontaktpersonen (Eltern, Geschwister, Pflegepersonal,…) anstecken.

Krankheitsverlauf / Diagnostik

Bild: Röteln-Exanthem, Quelee CDC Bild: Röteln-Katharakt, Quelle. CDC
Das klinische Bild der Röteln als "klassische Kinderkrankheit“ gestaltet sich altersabhängig. Im Kindsalter verlaufen z.B. 50% der Infektionen subklinisch oder inapparent.

Klinisch sind die Röteln durch ein kleinfleckiges makulöses oder makulopapulöses Exanthem gekennzeichnet, welches im Gesicht beginnt und sich später über den gesamten Körper einschließlich Extremitäten ausbreitet (nach 1-3 Tagen). Neben diesem können ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, subfebrile Temperaturen, Lymphknotenschwellungen (besonders der nuchalen und retroaurikulären Lymphknoten) ein leichter Katarrh der oberen Luftwege und eine Konjunktivitis (Bindehautentzündung) auftreten.

Je nach Alter gestaltet sich der Verlauf jedoch ein wenig anders. Während bei jüngeren Kindern meist zu Beginn das Exanthem zu finden ist, finden sich bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erst die letztgenannten "allgemeineren" Symptome eines Prodromalstadiums bevor sich das Exanthem zeigt. Neben diesem zeigen sich im Erwachsenenalter häufig Gelenkbeteiligungen (Arthritis), die zwar als Komplikation zu werten sind, aber in dieser Altersklasse nahezu als "normal" gewertet werden.

Abgrenzend zu den Masern ist das Exanthem der Röteln schwächer ausgeprägt, nicht konfluierend (nicht zusammenfließend) und hält nur etwa 3 Tage an. Die Masern hingegen äußern sich als makulo-papulöser (fleckig-knotiger), zum Teil konfluierender und somit großfleckiger Ausschlag. Er beginnt typischerweise hinter den Ohren (retroaurikulär) und breitet sich, meist innerhalb von 24 Stunden, über den ganzen Körper aus. Eine Rückbildung erfolgt nach 4-5 Tagen und kann sich über 8-14 Tage hinziehen.

Diagnostik

Eine Diagnostik erfolgt in der Regel klinisch. Diese relativ unsichere Abgrenzung gegenüber den übrigen exanthematischen Erkrankungen (Masern, Ringelröteln, Scharlach,...) ist für den Routinealltag bei fehlender Konsequenz ausreichend.

Sollte eine Schwangere in irgendeinem Bezug zu der Erkrankung stehen (Kontakt, Erkrankungsverdacht, Erkrankung) ist sicherlich eine labordiagnostische Sicherung des Befundes (ggf. des Immunstatus der Schwangeren, Röteln-Titer) indiziert. Nähere Angaben findet man in den aktuellen Mutterschafts-Richtlinen.

Hinweis: Bei einem ungeklärten Immunstatus in der Schwangerschaft und einer Rötelnerkrankung am Arbeitsplatz besteht ein befristetes Beschäftigungsverbot! Zur weiteren Klärung sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Komplikationen

Die meiste Zahl der Erkrankungen heilt folgenlos aus. Die Zahl der, wenn auch seltenen, Komplikationen steigt mit zunehmendem Alter.
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) und Arthritis (Gelenkentzündung) insbesondre der Finger-, Hand- und Kniegelenke (meist Frauen, seltener Männer oder Kinder); auch chronische Arthritiden möglich
  • Bronchitis (Entzündung der Atemwege): Als direkte Komplikation oder als Folge einer Sekundärinfektion.
  • Otitis (Entzündung des Gehörs): Als direkte Komplikation oder als Folge einer Sekundärinfektion.
  • Enzephalitis (Entzündung des Gehirns): 1/6.000 Erkrankungen, vermehrt Frauen
  • Purpura und Hämorrhagie als Folge einer Thrombozytopenie: 1/3.000 Erkrankungen; insbesondere bei Vorerkrankungen (vorbestehender Thrombozytopenie, Gefäßerkrankungen)
  • Myo- und Perikarditis (Entzündung des Herzmuskels oder des Herzbeutels)

Kongenitales Röteln-Syndrom (KRS,CRS)

Der Schweregrad einer möglichen Schädigung hängt stark vom Infektionszeitpunkt in Relation zur Schwangerschaft und dem Alter des Embryos bzw. Feten ab.

Kommt es unmittelbar vor einer Empfängnis oder innerhalb der ersten 4 Wochen der Schwangerschaft zu einer Rötelninfektion wurde in 85-90% eine Schädigung der Leibesfrucht (kongenitales Röteln-Syndrom, oft auch Fehl- oder Totgeburten) beobachtet.1 In manchen Quellen wird dieser Zeitraum auch auf 8 Wochen nach Empfängnis ausgedehnt.2

Bei Infektionen im 2. Schwangerschaftsmonat sinkt das Risiko bereits auf 20-35%. Auch hier gibt es bezüglich des Zeitintervalls unterschiedliche Angaben. In anderen Quellen wird die Grenze im ersten Trimester der Schwangerschaft gezogen.

Nach dieser Zeit beläuft sich das Risiko auf ca. 5%, um dann nach der 16. Schwangerschaftswoche weiter deutlich abzusinken (ggtl. bis zur 20. SSW Risiko für isolierte Taubheit).

Das kongenitale Röteln-Syndrom kann sich in allen Organsystemen manifestieren. Jedoch die häufigsten Schädigungen, die im Rahmen der Organogenese entstehen, beinhalten in der Regel die klassische* Trias des Gregg-Syndroms:

  • Defekte am Herzen* (offener Ductus arteriosus, Pulmonalarterienstenose, Septumdefekte) >50%
  • Schädigung der Augen (Glaukom, Katarakt*, Mikroophthalmie, Retinopathie, Chorioretinitis) 50-60%
  • Taubheit* bzw. Innenohrtaubheit 80%
  • ZNS-Schädigung(*) (Mikrozephalie, Enzephalitis, geistige Retardierung)
  • geringes Geburtsgewicht
  • Myokarditis
  • Hepatitis
  • Hepatosplenomegalie
  • thrombozytopenische Purpura

Die Gesamtletalität des kongenitalen Röteln-Syndroms wird mit 15-20% angegeben.

Zu beachten ist außerdem, dass Kinder mit einem kongenitalen Röteln-Syndrom nach Geburt, trotz hoher Titer bezüglich spezifischer neutralisierender Antikörper, das Rötelnvirus weiter über den Respirationstrakt und über den Urin bis zu einem Alter von 2 Jahren ausscheiden können. Eine Ansteckung von Kontaktpersonen ist somit möglich.

Immunität

Nach einer durchgemachten Erkrankung besteht in der Regel einer lebenslange Immunität. In seltensten Fällen wurde eine erneute Infektion beobachtet.

Therapie

Derzeit steht keine kausale Therapie zur Verfügung. Es erfolgt lediglich eine symptombezogene Therapie sowie eine Therapie der Komplikationen.

Epidemiologie

Bild: Verwendung der Impfung, 1996 vs. 2011
Quelle:WHO
Das Rötelnvirus ist weltweit verbreitet. Vor der Impfaera gehörten die Röteln zu den klassischen Kinderkrankheiten. Eine Infektion und Erkrankung erfolgte meist im Alter zwischen 2-12 Jahren (80-90% in dieser Altersklasse). In kleineren Intervallen traten regionale Epidemien auf.

Über die Erkrankungszahlen vor Einführung gibt es nur Schätzungen. So wird eine Inzidenz von 58 Erkrankungen/100.000 Einwohner/Jahr angegeben, die aber nach der Einführung der Impfung (1969 USA; 1974 BRD für Frauen; 1989 generelle Impfempfehlung) drastisch absank.

Auch bezüglich des kongenitalen Röteln-Syndroms gibt es weltweit auch nur Vermutungen. Es wird von 0,1-0,2/1000 Lebendgeburten in entwickelten Ländern (mit Impfung) und ca. 100.000 Fällen pro Jahr in Entwicklungsländern ausgegangen.

Eine zweimalige Impfung gegen Röteln (als MMR-Impfung: Mumps-Masern-Röteln) erfolgt derzeit noch nicht in allen Regionen der Welt. Welche Länder sich an den Impfempfehlungen der WHO beteiligen, ist aktuell unter dem folgenden Link zu finden.

Impfrate Deutschland:
  1. Impfung MMR: 95,9%
  2. Impfung MMR: 81%

Reservoir und Übertragung

Der Mensch ist der einzige bekannte natürliche Wirt für das Rötelnvirus.
Steckbrief Erreger
Erreger: Rötelnvirus ( stabiles RNA-Virus)
Infektionsquelle: Der Mensch ist der einzige bekannte natürliche Wirt für das Rötelnvirus.
Übertragung: Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt mit Sekreten des Nasen-Rachen-Raumes.

Ansteckungsfähigkeit:

  • bereits 1 Woche vor Ausbruch des Exanthems
  • bis zu 1 Woche nach Auftreten des Exanthems
  • Maximum: mit Auftreten des Exanthems
Inkubationszeit: (12-)14-21(-23) Tage; im Mittel: 18 Tage
Krankheitsbild: klassische Röteln
Kleinfleckige makulöse oder makulopapulöse exanthematöse Erkrankung. Das Exanthem beginnt im Gesicht und breitet sich später über den gesamten Körper einschließlich Extremitäten aus (nach 1-3 Tagen). Neben dem Exanthem können Allgemeinsymtome (Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, subfebrile Temperaturen, Lymphknotenschwellungen [besonders der nuchalen und retroaurikulären Lymphknoten], ein leichter Katarrh der oberen Luftwege und eine Konjunktivitis [Bindehautentzündung] auftreten.

Kongenitales Röteln-Syndrom (KRS,CRS)
Röteln-Erkrankung der Schwangeren führt je nach Zeitpunkt der Schwangerschaft zu unterschiedlichem Ausmaß der Fruchtschädigung bis hin zum Abort (vgl. oben)

Diagnose: in der Regel klinisch, laborchemische Diagnostik im Bedarfsfall möglich
Behandlung: nur symptomatisch

Impfstoff

Bei der Impfung gegen Röteln handelt es sich um einen attenuierten (abgeschwächten) Lebendimpfstoff. Es werden verschiedene Impfstämme verwendet, wobei die Mehrzahl der zugelassenen Impfstoffe und alle derzeit in Deutschland verwendeten auf dem Impfstamm RA 27/3 basieren, der 1965 im Wistar Institut, Philadelphia isoliert und nach Passagen schließlich 1979 als Impfstoff zugelassen wurde. Weitere Impfstämme sind Matsuba, DCRB 19, Takahashi, Matsuura, und TO-336 (vorwiegend Japan) und BRD-2 (vorwiegend China).

Der Rötelnimpfstoff steht in Deutschland in verschiedenen Formen zur Verfügung:

  • R: monovalenter Röteln-Impfstoff (Rötelnimpfstoff HDC Merieux®)
  • MMR: trivalenter Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff (Priorix®, MMRvaxPro®)
  • MMR-V: tetravalenter Mumps-Masern-Röteln-Varizellen-Impfstoff (Priorix-Tetra®, ProQuad®)

MMR vs. MMR-V

In Deutschland wird zur Immunisierung neben dem (noch verfügbaren) monovalenten Impfstoff (nur Röteln) auch ein trivalenter Impfstoff in Kombination mit Mumps und Masern (MMR) und ein tetravalenter Impfstoff in Kombination Mumps, Masern und Varizellen (MMR-V) angeboten. Grundsätzlich sind Kombinationsimpfstoffe gegenüber monovalenten Impfstoffen vorzuziehen.

Die angebotenen MMR- und MMR-V-Impfstoffe sind als geichwertig anzusehen (Alterszulassung beachten!). Jedoch zeigte sich in zwei epidemiologischen Studien in den USA, dass bei einer Erstgabe eines MMR-V-Impfstoffes das Risiko für einen Fieberkrampf rund zweifach höher liegt als bei der Einzelgabe von MMR- und V-Impfstoffen.3 Diese Ergebnisse führten bereits zur Änderung der Impfempfehlungen in den USA und Änderungen der Fachinformation der Impfstoffhersteller. Für weitere Informationen empfehlen wir ein individuelles Beratungsgespräch.

Schutz

Durch die Impfung lässt sich eine hohe Schutzrate (Serokonversionsrate) erreichen. Bereits nach der ersten Impfung erzielt man eine Serokonversionsrate von >95%.

Bei 2-5% ist nach einer einmaligen Gabe ein primäres Impfversagen zu beobachten. Dies kann vielerlei Ursachen haben (z.B. Röteln-Antikörper nach vorheriger passiver Immunisierung oder vorhandene mütterliche Antikörper, unwirksame Impfcharge, Applikationsfehler, Lagerungs-/Transportfehler,…). So wird eine 2. Impfung als Kompletierungsimpfung empfohlen. Nach dieser kann in der Regel eine Immunantwort generiert werden.

Neben diesem Grund für die zweite Immunisierung wird auch die Stärkung des immunologischen Gedächtnisses angeführt. Derzeit geht man bei einer zweimaligen Gabe im Regelfall von einer lebenslangen Immunität aus. In einer Studie konnte bei 97% der MMR-Geimpften noch nach 15 Jahren Antikörper gegen Röteln nachgewiesen werden.

Es gibt in der Fachliteratur derzeit keine Hinweise auf vermehrte auftretende Nebenwirkungen nach mehrmaligen oder überzähligen MMR-Impfungen. Eine Altersbegrenzung für die MMR-Impfung besteht im Gegensatz zur MMR-V-Impfung nicht, die Impfung kann daher in jedem Alter erfolgen.

Kontraindikation

Das abgeschwächte ("nicht so krank machende", aber Immunität erzeugende) Impfvirus wird heute auf Kulturen embryonierter Hühnerzellen angezüchtet. Bei einer Verwendung ist zu beachten: Eine mögliche allergische Reaktion (Hühnereiweiß) und es handelt sich, im Gegensatz zu vielen anderen Impfstoffen, um einen Lebendimpfstoff. Es ergeben sich somit einige zusätzliche Einschränkungen und Kontraindikationen (Näheres siehe Fachinfo des Herstellers):

  • Überempfindlichkeit gegen eine Impfung (z.B. MMR-Impfung) oder auch Bestandteil des Impfstoffs (z.B. Hühnereier)
  • Schwangerschaft (außerdem sollte nach einer Impfung bzw. Immunisierung eine Schwangerschaft verhindert werden)
  • Erkrankungen mit Fieber >38,5 °C
  • Aktive, unbehandelte Tuberkulose
  • Pathologische Blutbildveränderungen (Leukämie, Lymphome oder andere Malignome mit Auswirkung auf das hämatopoetische oder lymphatische System)
  • Angeborene oder erworbene Immundefekte (HIV, Leukämie,…) sowie eine immunsuppressive Behandlung (einschließlich hoher Dosen von Kortikosteroiden)
    Vor einer geplanten Immunsuppression sollte somit nach Möglichkeit eine Immunisierung abgeschlossen sein!
  • Minderung des Impferfolges durch die Gabe Blut-/Blutprodukten (z.B. Bluttransfusion) oder Immunglobulinen (passive Immunisierung - z.B.Tetagam®) für 3-11 Monate

Übertragung des Impfvirus

Grundsätzlich wäre bei einer Lebendimpfung eine Übertragbarkeit des Impfvirus auf ungeschützte Personen ähnlich der Impfpolio theoretisch möglich. Doch wurde dies in den langen Jahren der Anwendung, auch bei den Masern- und Mumpsimpfstoffen bisher nicht beobachtet. Eine Übertragung der Varizellen (MMR-V-Impfstoff) ist hingegen in seltenen Fällen möglich (vgl. Übertragung Varizellen bei Impfung)

Grundimmunisierung

Die Rötelnimmunisierung, als Teil der Regelimpfungen, wird als Bestandteil einer Kombinationsimpfung MMR(-V) [Mumps-Masern-Röteln-Varizellen] in den Impfempfehlungen der STIKO (ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes) (vgl. Impfplan) empfohlen.

Neben einer generellen Impfempfehlung im Kindesalter besteht auch eine Impfempfehlung für alle Frauen im gebärfähigen Alter (2 Impfungen).

Neben diesen sollten selbstverständlich Personen in der Kinderheilkunde, Geburtshilfe oder Schwangerenbetreuung einen ausreichenden Rötelnschutz aufweisen (min. 1 Impfung).

Generelle Immunisierung im Kindesalter

Die Immunisierung sollte im Regelfall zwischen dem 11. und dem 14. Lebensmonat begonnen werden und möglichst bis zum Ende des 2. Lebensjahres abgeschlossen sein, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen.

Zur Minimierung der Non-Responder-Rate (ca. 5% nach 1. Impfung) empfiehlt die STIKO generell eine 2. MMR-Impfung. Diese kann frühestens vier Wochen nach der 1. MMR-Impfung erfolgen.

Impfungen vor dem 11. Lebensmonat

Bei einer geplanten frühzeitigen Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung (z.B. Kindergarten,…) oder bei möglichem Kontakt (hier aber insbesondere Masern) kann eine Impfung bereits vor dem empfohlenen Alter erfolgen. Eine Impfung ist ab dem 9. Lebensmonat möglich. In diesem Fall muss die 2. Impfung unbedingt bereits im 2. Lebensjahr wiederholt werden, da im 1. Lebensjahr persistierende mütterliche Antikörper die Impfviren neutralisieren können.

Für eine Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen derzeit noch umfassende Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe. Hier ist vornehmlich das direkte Umfeld zu schützen. Innerhalb von individuellen Risiko-Nutzen-Abwägungen kann eine Impfung dennoch im Alter von 6 bis 8 Monaten ausnahmsweise begründet werden. Um eine langfristige Immunität zu erzeugen, sollten zwei weitere Impfungen im 2. Lebensjahr erfolgen. Alternativ können aber auch Immunglobuline in Betracht gezogen werden.

Impfung für Frauen

Mit der Impfung der Kinder soll eine flächendeckende Immunität erreicht werden. Durch diese wird schließlich eine Herdenimmunität erreicht und die Zirkulation des Rötelnvirus in der Population unterbrochen (später Elimination der Röteln).

Sicherlich sinkt so auch die Wahrscheinlichkeit eines kongenitalen Röteln-Syndroms, da viele zukünftige Mütter als Kind geimpft wurden. Auch die Gefahr einer Ansteckung sinkt durch die Reduktion der Viruszirkulation. Verhindern lässt sich aber besagtes kongenitales Rötelnsyndrom nur durch die Impfung der Mutter.

 

In Erhebungen sind derzeit ca. 3% aller gebärfähigen Frauen seronegativ !
Dies bedeutet: Sie sind weder geimpft noch haben Sie einen Schutz nach einer überstandenen Rötelninfektion. Eine Infektion in der Schwangerschaft wäre fatal. Lassen Sie Ihren Schutz kontrollieren!

 

Impfung für alle nach 1970 Geborenen

Im Rahmen der Novellierung der Impfempfehlungen 2010 erweiterte die STIKO die Nachholungs-Empfehlungen für die Masern-Impfung. Neben der Empfehlung, alle gebärfähigen Frauen zwei Mal im Leben mit Röteln-Impfstoff zu impfen (vorzugsweise als MMR-Impfstoff) sollten Personen beider Geschlechter, die nach 1970 geboren waren und eine unzureichende Masern-Immunisierung aufwiesen (unklar, ohne oder nur einmal geimpft) einmalig eine Masernimpfung (vorzugsweise als MMR-Impfung) erhalten. Im Rahmen der empfohlenen Kombinationsimpfung erfolgt somit auch eine Impfung gegen Röteln (und Mumps).

Auffrischung

nicht nötig

Postexpositionsprophylaxe

Bei einem möglichen Kontakt mit Rötelnerkrankten sollte ein Impfschutz überprüft werden und ggf. eine Impfung erfolgen. Zwar zeigt sich eine postexpositionelle Impfung oder auch eine Immunglobulingabe als nicht effektiv, jedoch kann so ein Schutz für die Zukunft generiert werden.
Steckbrief Impfstoff
Impfstoff: Lebendimpfstoff

eine Impfung erfolgt üblicherweise in Kombinationsimpfung:

Impfempfehlung: Teil der Standardimpfungen für Kinder und Jugendliche (vgl. Impfkalender)

Grundimmunisierung: 11.-14. Lebensmonat bzw. 15.-23.Lebensmonat.

empfohlene Impfung für alle gebärfahligen Frauen (2x)

indirekte Röteln-Impfung durch die Ergänzung der Masern-Empfehlung seit 2010: 1x Impfung für Personen, die nach 1970 geboren wurden

Grundsätzlich gilt: Jede Impfung zählt!

Empfehlung für Deutschland: derzeit nicht Teil der Standardimpfungen, Indikationsimpfung (z.B. berufliche oder medizinische Indikationsimpfung), Reiseimpfung (Risikoindikation beachten!)
Auffrischung: keine
Impfabstände: Als Lebendimpfstoff sind Abstände zu anderen Lebendimpfungen (z.B. Rotaviren, Mumps, Masern, Varizellen, Gelbfieber, ...) und zu einer möglichen passiven Immunisierung (z.B. Tetagam®) zu beachten.

andere Lebendimpfungen
Andere Lebendimpfungen können entweder gleichzeitig (z.B. MMR / MMR-V) oder in einem Abstand von mind. 4 Wochen (besser 6 Wochen) gegeben werden. Zu Totimpfstoffen ist kein besonderer Abstand einzuhalten.

passive Immunisierung - Abstand zu beachten!
Die Gabe von Immunglobulinen kann für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten die Wirksamkeit von Impfungen mit Lebend-Impfstoffen wie z. B. gegen Mumps, Masern, Röteln und Varizellen beeinträchtigen. Nach Verabreichung von Tetagam® sollte ein Abstand von mindestens drei Monaten vor der Impfung mit Virus-Lebend-Impfstoffen eingehalten werden. Im Falle von Masern kann die Beeinträchtigung bis zu fünf Monaten anhalten. Deshalb sollten Patienten, die Masernimpfungen erhalten, ihren Antikörperstatus prüfen lassen.
Alter:

Grundimmunisierung zwischen dem 11.-14. Lebensmonat bzw. 15.-23.Lebensmonat.

Nachholimpfung grundsätlich in jedem Alter mgl. (vgl. Impfkalender)

Lokal- und Allgemeinreaktionen: Neben den Lokalreaktionen kann es bei der Rötelnimpfung selten zu leichtem Fieber und eventuell sogar zu einem flüchtigen Hautausschlag ("Impfröteln") kommen. Bei dem MMR(-V) Impfstoff überwiegen aber meist die sogenannten "Impfmasern". Weitere Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, grippeähnliche Symptome oder Magen-Darm-Beschwerden treten gelegentlich auf. Extrem selten kann die Masernimpfung zu einer postvakzinalen (meist harmlosen) Meningitis führen. In der Regel sind die Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Komplikationen:

Allergische Reaktionen sind wohl aufgrund des Herstellungsverfahrens (Hühnerembryonen) besonders zu erwähnen. Bei bekannter Allergie gegen Hühnereiweiße ist eine Impfung nicht möglich.

Weiter wurden Fieberkrämpfe bei Säuglingen, insb. bei Kombinationsimpfstoffen (MMR-V) beobachtet. Weitere Behauptungen wie eine Verursachung von Autismus konnte widerlegt werden.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Fachinformation des Herstellers.

weiterführende Seiten

Quellen: Epidemiologische(s) Bulletin(s), Robert Koch Institut
  2) RKI-Ratgeber für Ärzte: Röteln
  3) Epid Bull 38/2011
  Bernhard-Nocht-Institut (Tropenmedizin Hamburg)
  www.reisemedizin.de
  www.impfakademie.de
  www.fit-for-travel.de
  www.impfservice.de
  www.impfen-aktuell.de
  www.reisemed.at
  Centrum für Reisemedizin
  WHO (www.who.int, www.who.int/immunization_monitoring)
   
  1) Handbuch der Impfpraxis - Sieghart Dittmann

Hinweis: An dieser Stelle sind allgemeine Informationen zu der Erkrankung genannt. Auch die im Steckbrief aufgeführten Daten sind nur eine Zusammenfassung und beinhalten nicht alle möglichen Symptome oder Komplikationen nach einer Impfung. Hierzu bitten wir andere Quellen (z.B. www.fachinfo.de), zu Rate zu ziehen. Außerdem empfehlen wir für Patienten eine ärztliche Rücksprache zu Fragen vor einer entsprechenden Impfung.