Zeckenstich

Zeckenbiss

Wie kommt die Zecke zum Ziel

Bild: Warnschild im Wald
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Quelle: Deutsche Grünes Kreuz Quelle: Deutsche Grünes Kreuz
Die Zecken benötigen in ihrem Lebenszyklus Blut als Nahrung. Getrieben durch diesen Hunger sitzen sie auf Gräsern oder Sträuchern (z.B. am Wegesrand) und lauern auf ihr Opfer. Durch Duftstoffe (z.B. Buttersäure im Schweiß) erkennen sie das nahende Wirtstier oder auch den Menschen und werden aktiv.

Die noch immer verbreitete Meinung, dass sich Zecken von Bäumen stürzen, ist ein Märchen. Sie werden vom Tier oder eben auch vom Menschen am "Warteplatz" abgeholt. Der nächste Wirt streift z.B. über die Wiese und so kann die Zecke den Ort wechseln. Bereits ein für Sekundenbruchteile bestehender Kontakt reicht der Zecke aus, um auf den Wirt zu gelangen.

Hier greift die erste Schutzmaßnahme vor möglichen Zeckenstichen. Vermeiden Sie einen Kontakt! Gehen sie z.B. auf Wegen in der Mitte und streifen nicht am Rand oder durchs Dickicht.

Weiter hilft geschlossene (Hose in die Socken!), helle Kleidung, die Zecke vor dem Stich zu finden. Die dunkle Zecke hebt sich auf der hellen Kleidung besser ab. Die "geschlossene" Kleidung verlängert den Weg der Zecke und ermöglicht so länger ein Finden VOR dem Biss.

Außerdem kann man sich durch die Anwendung von Repellentien (z.B. Nobite® oder Autan®) weiter vor Zecken schützen. Man macht sich sozusagen "uninteressant" für die Zecke. Dieser Schutz ist nicht absolut und zeitlich begrenzt, erhöht aber die Sicherheit.

Wann und wo findet man die Zecke

Die Zecken allgemein halten sich bevorzugt in Wäldern in nicht zu trockenen Lagen in hohem Gras und Gebüsch sowie in losem Laub auf. Allgemein gilt, dass Zecken ab Höhen über 1000m nicht mehr anzutreffen sind. Aber inzwischen wurden Ixodes ricinus, der gemeine Holzbock, in Europa auch in Höhen über 1.300 Meter entdeckt. Ob dies im Rahmen des Klimawandels und der globalen Erwärmung zu sehen ist, bleibt zu diskutieren. Damit sich der Erreger vermehren kann, ist eine Mindesttemperatur von ca. 8°C erforderlich.1

Wo die Zecke sticht

Auf dem Speiseplan der Zecken steht in erster Linie nicht der Mensch. Die primären Wirte sind Tiere aus Wald und Wiese (Mäuse, Igel, Hasen, Reh- und Rotwild,...). Kommen wir in dieses Umfeld, so gehört der Mensch und auch die Haustiere zur "erweiterten Zielgruppe".

Hat die Zecke den Wechsel auf den Wirt geschafft, sucht sie sich quasi ein "ruhiges Plätzchen" für die Blutmahlzeit. Außerdem sollte die Hautpartie warm, feucht und gut durchblutet sein. Regionen mit relativ dünner Haut (z.B. Leistenregion) eignen sich ebenso wie (auch Achsel, Arm-/Kniebeuge,...). Aber auch der behaarte Kopf bietet durch den Schutz der Haare Vorteile.

Der nächste Schutz vor einem Zeckenbiss ist somit das Absuchen des gesamten Körpers nach und während einer möglichen Exposition. Empfohlen wird eine regelmäßige Kontrolle bei Aufenthalt im Risikogebiet (ca. alle 2h). Spätestens nach Verlassen des Risikogebietes (z.B. abends im Hotel) sollte eine gründliche Kontrolle (vollkommen entkleidet) an allen Körperregionen erfolgen (ggf. Hilfsperson, vor allem bei Kindern).

Wenn die Zecke sticht

Ob nun Stich oder Biss lässt sich nicht ganz klar abgrenzen. Die Zecke besitzt zum einen scharfe Mundwerkzeuge, mit denen sie die Haut aufschneidet. Zum anderen steht ein stachelbesetztes Saugorgan zur Verfügung, mit dem sich die Zecke unter anderem in der Haut verankert (Dauer: 5-15min.). Jetzt kann sie die Blutmahlzeit aufnehmen. Zecken stechen hierbei nicht wie z.B. Mücken ein kleineres Blutgefäß unter der Haut direkt an. Bei Zecken handelt es sich um so genannte "Poolsauger". Dies meint, dass sie aus einer geschaffenen kleinen Wundhöhle gleich einer Tränke das Blut samt aufgelöster Zellen (Gewebe, Kapillarwände) mit dem Saugrüssel "saufen". Der Saugakt dauert je nach Zeckenstadium 3-12 Tage.

All dies ist möglich durch die Wirkung des Zeckenspeichels. Diesen gibt die Zecke bereits unmittelbar beim Stich in der Wunde. Er enthält mehrere wichtige Komponenten:

  • Betäubung: Wirt bemerkt die Zecke nicht; nötig da der Saugakt über Tage dauert
  • Gerinnungshemmung: Verhindert die Blutgerinnung / Wundverschluss und hält so die Blutung aufrecht.
  • Adhäsion: Fixiert die Mundwerkzeuge in der Haut
  • Entzündungshemmung: Hemmung von Immunreaktionen des Wirtes an der Einstichstelle

Wichtig für das Verständnis der Übertragung von Krankheiten (bis zu 50 verschiedene sind bisher bekannt) ist, dass sofort und während des gesamten Saugaktes immer wieder Speichel von der Zecke in die Wunde abgegeben wird. Einige Krankheitserreger sind in diesem Speichel bei entsprechend infizierten Zecken enthalten (z.B. FSME).

Außerdem würgt bzw. spuckt (regurgitiert) die Zecke in regelmäßigen Abständen während der Blutmahlzeit unverdauliche Nahrungsreste in ihren Wirt zurück. Speziell bei diesem Vorgang können wiederum Krankheitserreger übertragen werden. So auch Borrelia burgdorferi sensu lato (vgl. Borreliose), die zuvor bei einem früheren Wirt aufgenommen wurden und im Zeckenkörper überdauerten oder sich sogar vermehrt haben. Ob bei einigen Erregern eine zusätzliche "aktive Mitarbeit" hinzukommt (z.B. Borrelien = Spirochäten, bewegliche Bakterien) ist nicht abschließend geklärt. Ob dies letzten Endes entscheidend das Übertragungsrisiko beeinflusst, ist zu bezweifeln.

Aber eben diese Unterscheidung der möglichen Übertragungswege ist wichtig für das Verständnis und das weitere Handeln. Ein Schutz vor Krankheitserregern im Speichel ist durch zeitnahes Entfernen der Zecke kaum möglich. Hier kann nur eine Prophlaxe, und ggf. eine Impfung (vgl. FSME) helfen. Bei Übertragungen von Erregern aus dem Magen-Darm-Trakt ist die Kontaktzeit wichtig. Für die Borreliose geht man im Mittel nach 8-12 Stunden von einer Übertragung aus. In der Literatur werden aber auch Zeitspannen von 6-48 Stunden genannt.2

Andererseits kann die Zecke natürlich bei der Blutmahlzeit auch Krankheitserreger vom Wirt aufnehmen, die entsprechend später weiter gegeben werden.

 

Larven Nymphe adulte Zecke vollgesogene
adulte Zecke
(6 Beine) (8 Beine) (8 Beine) (8 Beine)
0,5 × 0,4 mm 1,2 × 0,85 mm 3,8 × 2,6 mm 13,2 × 10,2 mm
          

von links nach rechts:
1) Larve
2) Nymphe
3) adulte männliche Zecke
4) adulte weibliche Zecke

 

 

 

Verhalten bei Zeckenstich

Beispiel: Splitterpinzette Beispiel Zeckenzange Beispiel Zeckenschlinge Beispiel Zeckenkarte
Ist die Zecke einmal entdeckt, sollte sie möglichst rasch entfernt werden. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten die Zecke zu entfernen. Im Idealfall sollte die Zecke dabei rasch und vollständig entfernt werden.

Der Körper der Zecke (enthält Blut und mgl. Krankheitserreger) sollte dabei nicht komprimiert (Zusammendrücken steigert das Risiko einer möglichen Krankheitsübertragung) werden oder die Zecke durch lange Manipulationen unter Stress gesetzt werden. Kein Stress, dies klingt wie eine "einfühlsame Psychotherapie" für Zecken. Aber es hat einen Sinn: Man hat Angst, dass die Zecke bei einer Reizung vermehrt Speichel oder auch Inhalte aus ihrem Verdauungstrakt in die Einstichstelle abgibt. Das Risiko für eine Übertragung von möglichen Krankheitserregern würde steigen.

Raus mit der Zecke...

Wie die Zecke entfernt wird, ist letzten Endes egal. Ob mit schmaler Pinzette (Splitterpinzette), Zecken-Karte oder Zecken-Schlinge – wichtig ist eine vollständige Entfernung. Rücken Sie die Zecke ins rechte Licht. Auch eine Lupe kann bei der Arbeit helfen.

Sollten diese Utensilien nicht zur Verfügung stehen, kann man sich not gedrungen mit einem Küchen- oder Taschenmesser behelfen. Man führt die Schneide von hinten unter die Zecke und schneidet sie am Stechapparat ab. Sicherlich verbleibt bei diesem Vorgehen ein Teil des Saugrüssels in der Haut des Wirtes (also dem Mensch). Doch kann von diesem keine weitere Übertragung von Krankheitserregern erfolgen. Vorteil liegt hier in der raschen Entfernung. Krankheitserreger (z.B. FSME) aus dem Speichel könnten bereits übertragen worden sein. Die Übertragung von Erregern aus dem Verdauungstrakt der Zecke (z.B. Borrelien) wird durch den Schnitt schlagartig gestoppt. Ist also in entsprechender zeitlicher Nähe kein adäquates Utensil verfügbar, stellt dies eine in Betracht zu ziehende Alternative dar.

In der Stichstelle verbleibende Reste des Saugrüssels stellen in der Regel keine Gefahr dar. Sie trocknen von alleine aus oder können später vom Arzt entfernt werden.

Irrtümer bei der Entfernung...

Bei der Entfernung der Zecken gibt es viele Tipps und Tricks, die mehr in die Welt der Sagen und Mythen gehören. Rationell begründen lassen sich diese "Weisheiten" nicht. Teilweise sind sie nicht nur falsch, sondern bergen das Risiko einer vermehrten Übertragung von Krankheitserregern:
  • Drehbewegung: Es gibt keine richtige oder falsche Drehrichtung. Ein Zeckenhals hat kein Gewinde. Drehbewegungen sind unnötig und eher kontraproduktiv.
  • Beträufeln der Zecke: Es werden verschiedenste Wundermittel als der Weisheit letzter Schluss dargeboten. Olivenöl, Klebstoff, Nagellack oder ähnliche Substanzen... – doch die Anwendung dieser Ingredienzien hat nur negative Folgen: Zum einen wird die Zecke unter Stress gesetzt und erbricht in die Stichwunde (Übertragung von Krankheitserregern!) und zum anderen verlängert sich der Kontakt bzw. die Saugzeit der Zecke durch die Einwirkzeit der „Spezialmittels“.
  • Desinfektion: Auch die Desinfektion mit Alkohol oder andern Mitteln führt zur Reizung der Zecke und erhöht das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern. Nach Entfernung kann selbstverständlich eine Anwendung erfolgen.

Weiter danach...

Auf jeden Fall sollte die Stelle, an der die Zecke entfernt wurde, in den nächsten Tagen beobachtet werden. Bei Hautveränderungen, Zeichen einer lokalen oder allgemeinen Infektion sollte sofort ein Arzt konsultiert werden (vgl. z.B. Erythma chronicum migrans bei Borreliose, Stadium I).

Die entfernte Zecke kann in einem verschließbaren Behältnis aufbewahrt werden, um sie später im Labor untersuchen zu lassen. Es gibt z.B. die Möglichkeit eine Infektion der Zecke mit Borrelien nachzuweisen. Eine Therapie könnte ohne Zeitverzögerung ggf. vor dem Stadium I (Erythma chronicum migrans) erfolgen.

In Fachkreisen wird diese diagnostische Abklärung kontrovers gesehen. Mehr Information bringt hier sicherlich ein persönliches Beratungsgespräch, in dem individuelle Gegebenheiten in das Gespräch mit einfließen.

Neben diesem kann der Nachweis einer Borrelien-Infektion der Zecke auch aus forensischen Gründen erfolgen.

Für die FSME und andere im Speichel enthaltene Krankheitserreger lohnt sich der Nachweis in keinem Fall. Eine Übertragung erfolgt quasi mit dem Stich und ist unabhängig von der Dauer des Kontaktes. Derzeit steht keine kausale Therapie zur Verfügung. Eine therapeutische Konsequenz ergibt sich also nicht.


weiterführende Seiten

Quellen: Epidemiologische(s) Bulletin(s), Robert Koch Institut
  1) Borelliose Ratgeber für Ärzte
  WHO (www.who.int, www.who.int/immunization_monitoring)
  2) O. March, Transmissionsrisiko von Borrelia burgdorferi nach Zeckenstich: Follow-up Studie