Medikationsplan Plus

Projekt, Gesundheit.NRW

Warum ein einheitlicher Plan ?

In der Behandlung von Erkrankungen ist die Medizin schon sehr weit. Doch teilweise finden sich banale Probleme: ein einheitlicher (vollständiger) Medikationsplan, der im Idealfall von allen Beteiltigen gleichermaßen gut gelesen werden kann.

"Medikationsplan der Vergangenheit"

 
 
 

Nicht ein Gekrickel auf Zetteln, keine Sammlung von Medikamentenhüllen oder zusammengesetzte Ausdrucke von Fachärzten. - Nein - Sondern ein übersichtlicher und verständlicher Ausdruck aller verordneten und ggf. eigenen Medikamente: ein Medikationsplan für alle! Für Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken … und auch für den Patienten.

Grundsätzlich sollen Medikamente helfen. Krankheiten im Idealfall bekämpfen oder Symptome lindern. Doch durch Fehler in der Anwendung können auch Probleme eben durch die Medikamente auftreten. So führt z.B. die falsche Einnahme (Pat. nimmt z.B. irrtümlich ein Medikament in falscher Dosierung) zur Wirkungslosigkeit oder Überdosierung. Eine falsche Übertragung eines unleserlichen bzw. schlecht lesbaren, hingeschmierten "Medikationsplans" wäre natürlich der Maximalfehler. Aber auch Unwissenheit birgt Gefahr. Bei mehreren Medikamenten können Wechselwirkungen zwischen diesen auftreten. Werden nicht alle Beteiligten angegeben (z.B. bei Unkenntnis von Verordnungen anderer Ärzte, Pat. konnte nicht über seine gesamten Medikamente ausreichend Auskunft geben), kann es auch hier zu negativen Effekten kommen.

Lösungsversuch: Medikationsplan

Bei dem zunehmenden Alter unserer Patienten und der Mehrfachmedikation (durch verschiedene Ärzte) wollte man eben diesen Problemen entgegentreten. Der erste Schritt war die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans (10/2016). Hier haben Patienten mit ≥3 gleichzeitig verordneten, systemisch wirkenden Medikamenten (Dauerverordnung, ≥28 Tage) einen Anpruch auf einen Medikationsplan.

Die Einführung eines bundeseinheitlichen Medikationsplans hatte der Bundestag mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Ziel ist es allgemein, die Sicherheit im Bezug auf die Arzneimittelverordnung und -interaktion zu verbessern (Arzneimitteltherapiesicherheit). Allgemein negative Effekte, die sich durch eine Falsch- oder Fehleinnahme bzw. -verordnung ergeben, sollten vermieden bzw. vermindert werden.

So soll einerseits dem Patienten durch einen einheitlichen und übersichtlichen Plan die richtige Einnahme seiner Medikamente erleichtert werden. Andererseits soll auch die einheitliche Gestaltung allen Beteiligten (Ärzten, Krankenhäusern, Apothekern) die Handhabung erleichtern und so Fehler vermieden werden.

Anfangs ist eine Papierversion vorgesehen. Ab 2018 soll auch eine elektronische Variante des bundeseinheitlichen Medikationsplans etabliert werden. Diese soll dann auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden. Die elektronische Form ermöglicht später ein Einlesen z.B. beim Hausarzt, Vertretungsarzt im Urlaub, Facharzt oder im Krankenhaus, was die Erfassung deutlich erleichtert und wiederum Fehler minimiert.

Für all dies ist aber eine Einheitlichkeit nötig. Die Speicherung der Daten muss für alle Beteiligten einheitlich erfolgen, damit für die Zukunft auch das Einlesen in die entsprechende Praxisverwaltungssoftware funktioniert.

 

Wo stehen wir heute

Eine elektronische Variente … vielleicht noch auf dem Smartphone … im Chat mit dem Arzt.

Das alles ist Zukunftsmusik. Viele möchten auch lieber den persönlichen Kontakt mit dem Arzt und den Ausdruck in der Hand. Für die Gesundheit sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, auch in unserer schnelllebigen Zeit. Sicherlich kann man kurze Informationen am Telefon besprechen, aber einen Arzt aufsuchen ist mehr als mit ihm sprechen. Nun aber zurück zum Medikationsplan …

Erstellen des Medikationsplans

Der Hausarzt hat in vielen Fällen die Aufgabe des Koordinators. Auch hier erstellt er den Medikationsplan und pflegt ihn zusammen mit dem Patienten (Er ist dazu verpflichtet). Alternativ könnte auch der "führende Facharzt" diese Rolle übernehmen. So könnte z.B. bei dialysepflichtigen Patienten der behandelnde Nephrologe diese Rolle übernehmen.

Aufgeführt werden sollten alle verordneten Medikamente (ggf. mit Angabe des Facharztes oder des Grundes). Außerdem sollten, auch um mögliche Wechselwirkungen aufzudecken, relevante Selbstmedikationen des Patienten aufgeführt werden. Ein Problem hierbei ist natürlich die Kenntnis der entsprechenden Verordnung bzw. Anwedungen. Grundsätzlich kann auch der Facharzt den Medikationsplan ändern. Wie in Zukunft das Zusammenspiel erfolgen wird, bleibt abzuwarten. Aber für beide Punkte (Facharzt, Selbstmedikation) gilt, nur bekannte Medikamente können vom Hausarzt auch aufgenommen werden. In einem gewissen Maße ist hier auch die Mitarbeit des Patienten gefordert. Die Verantwortung für die jeweiligen Medikationen obliegt weiter dem Verordner.

Änderung im Medikationsplan

Grundsätzlich sollte derjenige, der den Medikationsplan erstellt hat, diesen auch pflegen und ändern. (Er ist dazu verpflichtet.) Doch wie bereits angesprochen gibt es hier die Probleme:
  • Kenntnis über alle Verordnungen
  • Information über mögliche Änderungen.

 

Eine Änderung des Plans ist aber auch durch andere Parteien möglich:

  • Fachärzte: Anpassung der Therapie
  • Krankenhausärzte: Anpassung der Therapie
  • Apotheker: Einpflegen der Selbstmedikation, Anpassung an Rabattverträge, keine Therapieänderung

 

Medikationsplan Plus

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  • Wo lauern Fallstricke, die man beseitigen kann?

Mit dem Förderprojekt "Medikationsplan Plus" im Rahmen des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit.NRW möchte man nicht nur die bereits erwähnten Ziele erreichen. Es sollen im Projekt Probleme in der alltäglichen Anwendung aufgedeckt werden. Durch eine Verbesserung soll schließlich das Arbeiten mit dem Medikationsplan in allen Bereichen vereinfacht werden.

Hierzu müssen Wünsche bzw. Ansprüche verschiedener Parteien erfasst werden und bestmöglich mit den Soll-Vorgaben der Standardisierung und dem Machbaren (Kosten/Nutzenrelation) vereint werden. So steht bei den Patienten sicherlich die Verständlichkeit, Übersichtlichkeit oder Lesbarkeit im Vordergrund. Für den Arzt in Klinik oder Praxis ist die Handhabung im Alltag wichtiger (Integration in die Praxisverwaltungssoftware und Interaktion - z.B. Abgleich mit alten Rezepten, rasche und einfache Bedienbarkeit, Darstellung von Interaktionen verschiedener Medikationen,…). Und zu guter Letzt ist für den Programmierer die Standardisierung darzustellender Informationen von Bedeutung (einheitliche und standardisierte semantische Bezugssysteme, Sicherstellung einer fehlerfreien Interpretation, Datanschutz).

Um hier möglichst rasch Informationen zu sammeln und den Medikationsplan so weit wie möglich zu optimieren, wurde eben dieses Projekt "Medikationsplan Plus" ins Leben gerufen. Es soll untersucht werden, in wie weit (elektronische) Medikationspläne in der Praxis für Arzt, Apotheker und Patient das "tägliche Leben" erleichtern.

Medikationsplan Plus – Webseite der Studie (weitere Informationen) …