ACOS

Asthma-COPD-Overlap-Syndrom

Wenn Asthma und COPD zusammentreffen

In der Welt des Mediziners sind bzw. waren Asthma und COPD eigentlich zwei klar voneinander trennbare Erkrankungen.
Asthma ist überwiegend gekennzeichnet durch eine allergische Reaktion der Bronchialschleimhaut. Es tritt meist im Jugendalter auf. Die Symptome können in kurzen Abständen stark variieren. Von nicht existent bis hin zum Asthmaanfall. Bei der COPD handelt es sich meist um die Folge einer langjährigen Schädigung durch inhalative Noxen, in ca. 90% Rauchen. So treten erste Symptome je nach Exposition meist erst im mittleren Lebensabschnitt mit 30-40 Jahren auf. Ein weiterer Unterschied ist die meist schleichende Zunahme der Beschwerden, was ein Bemerken der Veränderung erschwert.
Asthma spricht meist gut auf eine inhalative Therapie mit Steroiden an. Bedarfsweise werden β2-Mimetika verwandt. Die COPD zeichnet sich, wie alleine die Krankheitsbezeichnung vermuten lässt, durch eine fehlende vollständige Reversibilität der Verengung (auch unter Therapie) aus. Durch Umbauprozesse in der Lunge kommt es zu einem unumkehrbaren Verlust an Lungenfunktion.
In der Regel ist unter der Therapie ein "normales Leben" mit einer uneingeschränkten Lungenfunktion außerhalb der Beschwerdeintervalle möglich.  

 

In der Gedankenwelt der Medizin gab es bislang nur Asthma oder COPD. Sozusagen nur schwarz oder weiß. Dass aber beide Krankheitsbilder zusammen kommen, dass gar ein Asthmatiker rauchen könne - das war wider jede Vorstellung. Manchmal geht halt die Überlegung in der Wissenschaft an der Realität etwas vorbei. Doch zunehmend findet auch diese Möglichkeit Beachtung. Nicht zuletzt auch in der Nomenklatur: ACOS - Das Asthma-COPD-Overlap-Syndrom … bezeichnet die Schnittmenge von Symptomen aus Asthma und COPD.

Dass es sich noch um eine "junges" Krankheitsbild handelt, erkennt man wohl auch daran, dass es noch keinen ICD10-Code (vorerst wird die führende Erkrankung kodiert) und keine eigenständige Leitlinie gibt. Dennoch findet das Krankheitsbild ACOS zunehmend Beachtung.

ACOS - zwischen zwei Krankheiten

Ein neues Krankheitsbild oder doch nur die Beschreibung der Realität. In Fachkreisen wird die Häufigkeit des ACOS unter den obstruktiven Atemwegserkrankungen von 15-25% angenommen.

Bei diesen Patienten zeigen sich häufig nicht nur Eigenschaften beider Krankheitsbilder. Der Krankheitsverlauf ist beim ACOS im Vergleich zur COPD häufig schwerer. Es treten häufiger Exazerbationen mit Akutverschlechterungen auf. Es kommt so zu einem schnelleren Verlust an Lungenfunktion und damit langfristig zu einer schlechteren Prognose.1,2

Nicht nur bei der ICD auch bei der Therapie muss der behandelnde Arzt sich individuell für den Patienten entscheiden, welche Therapie für ihn geeigneter ist. Beim ACOS kommen grundsätzlich die Vertreter beider Behandlungskonzepte (Asthma, COPD) zum Einsatz.

Zeigen sich zum Beispiel bei einem ACOS-Patient stärker die Asthma-Charakteristika sollte auch hier das Hauptgewicht der Therapie liegen. Meist erfolgt dies wohl in einer Kombination von inhalativem Kortikoid (ICS) mit langwirksamen β2-Mimetikum (LABA: long acting beta2 agonist). Bei führenden COPD-Symptomen wird führend ein lang wirksames Parasympatholytikum (LAMA: long acting muscarinergic antagonist) bevorzugt.

Wie erwähnt gibt es derzeit weder eine eigenständige Leitlinie noch klare Behandlungsempfehlungen.

 

 

Skizze: Lungenfunktion bei
Asthma
Skizze: Lungenfunktion bei
COPD
Skizze: Lungenfunktion bei
ACOS
In der Skizze der Lungenfunktion beim Asthma zeigen sich gelegentliche akute Verschlechter-ungen (z.B. Allergenexposition, Asthmaanfall,…) bei ansonsten normwertiger Lungenfunktion. Bereits im Jugendalter kommt es zu ersten Symptomen. Aber immer wieder kehrt die Funktion nach der akuten Verschlechterung zum Normalen zurück. In der Skizze der Lungenfunktion bei der COPD zeigt sich eine im mittleren Lebensalter beginnende Abnahme der Lungenfunktion im Vergleich zum Gesunden. Sie ist nicht reversibel und kehrt nicht mehr zum Normalen zurück. Von kleineren Schwankungen abgesehen ist es ein stetiger und irreversibler Verlust an Funktion, der auch nicht durch eine medikamentöse Therapie normalisiert werden kann. Im skizzierten Kurvenverlauf des ACOS zeigen sich Charakteristika beider Verläufe.

Neben einer fortschreitenden Ver-schlechterung über die Jahrzehnte wie bei der COPD zeigen sich auch akute kurzfristige, deutlichere Verschlechterungen, die aber (teil-)reversibel sind.

Diagnose

Die Diagnose ACOS setzt voraus, dass bereits eine COPD diagnostiziert wurde oder typische Charakteristika der COPD bestehen (chronisch obstruktive Ventilationsstörung). Kommen zu diesen Charakteristika des Asthma bronchiale hinzu (deutliche Variabilität der Obstruktion, allergische Auslöser deutlicher kurzzeitiger Verschlechterungen), darf ein ACOS angenommen werden.

 

 

Quellen: 1) Barrecheguren, M., C. Esquinas, and M. Miravitlles, The asthma-chronic obstructive pulmonary disease overlap syndrome (ACOS): opportunities and challenges. Curr Opin Pulm Med, 2015. 21(1): p. 74–9.
  2) Papaiwannou, A., et al., Asthma-chro- nic obstructive pulmonary disease over- lap syndrome (ACOS): current litera- ture review. J Thorac Dis, 2014. 6 Suppl 1: p. S. 146–51.
  ACOS – Wenn Asthma und COPD zusammenkommen, KBV Berlin, 2015, Dr. med. Thomas Hering Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde
  Herold - Innere Medizin
  Wikipedia