Gefährliche Grapefruits

Seit über zehn Jahren ist bekannt, dass Inhaltsstoffe der Grapefruit die Wirkung verschiedener Stoffe, also auch von Medikamenten, im Körper beeinflussen können. Trotzdem wird diese Tatsache oft unterschätzt.1

Ursache dieser Wechselwirkungen ist eine irreversible Hemmung des CYP3A4, ein Isoenzym des Cytochrom-P450, durch Inhaltsstoffe der Grapefruit (Naringenin und Bergamottin).2 Dieser Effekt kann 24 Stunden bis mehrere Tage anhalten.2 Dieses Enzym in Leber und Dünndarm ist für den Abbau unterschiedlichster Stoffe zuständig. Unter anderem werden auch hier zahlreiche Medikamente abgebaut. Durch eben die Hemmung des Cytochrom-P450 wird weniger des Arzneistoffs abgebaut und die Dosis steigt bei weiterer Einnahme des Medikamentes an. Unter Umständen sind hier bedrohliche Konzentrationen möglich.

Nachgewiesen wurde dieser Effekt bereits bei einigen Medikamenten. Hierzu zählen:1,2
  • Blutfettsenker (Statine)
  • Antiallergika (Terfenadin)
  • Potenzpräparate (Viagra, Cialis,...)
  • Antiarrhythmika und Blutdrucksenker (Verapamil und Analoge; Nifedipin und -derivate (außer Amlodipin, Isradipin))
  • Antidepressiva, Psychopharmaka, Sedativa und Schlafmittel (Quetiapin, Pimozid, Zolpidem,...)
  • Antibiotika (Erythromycin,...)
  • Immunsuppressiva
  • Schmerzmedikamente
  • Chemotherapeutika
  • Anti-Baby-Pille

Als Beispiele seien hier zwei besonders eindrückliche Schilderungen genannt. Über die Wechselwirkung von Grapefruitsaft und Terfenadin (Teldane® ein Antiallergikum) berichtet die deutsche Herzstiftung. Das Medikament wird als sogenannte prodrug eingenommen, diese wird durch Cytochrom-P450 erst in die antiallergen wirkende Form überführt. Leider ist die prodrug stark herzschädigend. So kam es unter dem täglichen Genuss von Grapefruitsaft bei einem 29-jährigen Patienten zu einer Anhäufung dieser prodrug auf eine nahezu 30-fache Dosis. Der Patient verstarb.

In mehreren Fällen wurden Todesfälle unter Cholesterinsenkern berichtet. Die Patienten konsumierten auch hier meist täglich den Saft. Nach Allgemeinsymptomen wie Muskelschmerzen, Müdigkeit und Fieber kam es teilweise zum Nierenversagen und Tod.

Abschließend muss man also sagen, dass der Genuss der Grapefruit in Verbindung mit Medikamenten teilweise lebensgefährlich sein kann. Insbesondere weil die Inhaltsstoffe verschiedenste Medikamente unterschiedlichster Arzneimittelgruppen beeinflussen.

Das Enzymsystem, in das die Grapefruit eingreift, spielt nach Schätzungen für die Verstoffwechselung von mehr als 50% der Medikamente eine Rolle. Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem Blutdrucksenker, Fettsenker, Schmerzmedikamente, Antibiotika, Antidepressiva, Immunsuppressiva und die Anti-Baby-Pille.

Ein generelles und vollständiges Verbot von Grapefruitsaft bei einer Dauermedikation wird zwiespältig gesehen. Manche Autoren empfehlen einen ausreichenden Abstand (min. 4-5h) zwischen Medikamenteneinnahme und gelegentlichem Grapefruitkonsum.1 Bei einer irreversiblen Hemmung, deren Effekt in Studien bis über 2 Tage nachweisbar war, scheint eine Pause von Stunden jedoch nicht ausreichend. Zwar wird von allen Autoren auf die Halbwertszeit der Medikamente hingewiesen (Retard-Präparate) und hier von dem Konsum von Grapefruitsaft abgeraten.1 Doch kann keine zeitliche Grenze oder auch keine Dosis angegeben werden, die sicher keine Interaktion beim Patienten hervorruft.2

Somit sollte generell auf einen Konsum von Grapefruit verzichtet werden. Dies sollte kein Problem darstellen, da in unseren Breiten die Grapefruit nicht zu den Grundnahrungsmitteln zählt.

Quellen: 1) Pharmakologe Professor Thomas Eschenhagen, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf - Interview: Stern
  2) www.pharmazeutische-zeitung.de