iFOBT

Darmkrebsvorsorrge

Tumorhäufigkeit 2012, Deutschland - Quelle RKI

Wie in vielen Bereichen der Medizin gewinnt immer mehr die Früherkennung einer Erkrankung vor der eigentlichen Therapie dieser an Bedeutung. Man möchte durch diese Maßnahmen sehr früh, bevor es überhaupt zu Beschwerden kommt, Hinweise entdecken, um entsprechend handeln zu können.

All dies gilt auch für den Darmkrebs.

Da in der Regel ein längerer Zeitraum zwischen dem Auftreten von Veränderungen der Darmschleimhaut (Schleimhautwucherungen, Polypen) und der Entwicklung eines Karzinoms vergeht, bietet sich eine Früherkennungs- bzw. Vorsorgeuntersuchung auch in diesem Rahmen an. So gelten besagte Polypen als Vorstufe für sich hieraus entwickelnde Karzinome, die im Rahmen der Vorsorge im Idealfall entdeckt werden können. Eine Entfernung verhindert so die weitere Entstehung des Karzinoms oder eine Ausbreitung dessen.

 

Die Stuhlprobe

Neben der bereits seit langem etablierten Darmspiegelung als Teil der Vorsorge besteht auch die Möglichkeit, den Stuhl auf "nicht-sichtbares" (okkultes) Blut zu untersuchen. Da die besagten Veränderungen der Schleimhaut meist geringe Mengen Blut absondern, liefert der Nachweis des okkulten Blutes den Hinweis auf eben diese Veränderungen.

gFOBT

Guajak-Test: Verfärbung als Hinweis auf Hämoglobin → okkultes Blut, Quelle: Wikipedia

Bislang erfolgte dies über den relativ unspezifischen Guajak-Test (gFOBT = Guaiac-based fecal occult blood test, z.B. Hämoccult®). Getestet wurde hier auf Hämoglobin (roter Blutfarbstoff, genauer die Pseudoperoxydaseaktivität der Häm-Komponente des Hämoglobins). Mittels einer Testlösung wurde beim "Stuhlbriefchen" bei vorhandenem Hämoglobin durch die Anfärbung der Nachweis erbracht. Doch leider kam es durch verschiedene Möglichkeiten zu falsch-positiven oder falsch-negativen Testergebnissen. So führte z.B. auch das Muskeleiweiß (Myoglobin) beim Fleischverzehr zu falsch-positiven Testergebnissen. Aber auch der Verzehr von peroxidasehaltigen Lebensmitteln (z.B. Blumenkohl, Rettich) führte zu einem falsch-positiven Ergebnis. Hingegen kann ein höherer Vitamin C-Konsum (Obst, orale Gabe) zu falsch-negativen Ergebnissen führen.

Blutung als Fehlerquelle

Von diesen bisher genannten "Verfälschungen" durch eine Beeinträchtigung der Reaktion müssen Nachweise von Blut aus anderen Quellen (z.B. Entzündungen der Darmschleimhaut, Mikroblutungen bei der Gabe von NSAR [ASS, Ibuprofen, Diclofenac,…] oder anderen Gerinnungshemmern, Hämorrhoiden, Menstruationsblutung,…) unterschieden werden. Auch diese führen zu falsch-positiven Ergebnissen bei der Frage: potentielle tumoröse Veränderung der Darmschleimhaut. Aber anders als bei den oben genannten Fällen wird hier vom Test ein "richtiges" Ergebnis ausgewiesen. Es ist Blut vorhanden. Aus diesem Grund versagt in diesen Fällen auch der iFOBT. Auch er kann nur das Vorhandensein von menschlichem Blut nachweisen. Die Blutungsquelle kann nicht unterschieden werden.

iFOBT

iFOBT: Labor Düren

Dennoch bietet der immunologische Stuhltest (iFOBT) verschiedene Vorteile:

  • Es werden mehr Karzinome erkannt.
    Durch die höhere Sensitivität des immunologischen Verfahrens werden 2-3x höhere Auffindungsraten von kolorektalen Karzinomen und fortgeschrittenen Adenomen im Vergleich zum gFOBT erreicht.
     
  • Auch ein negatives Testergebnis gilt als sicherer.
     
  • Die Testdurchführung ist einfacher.
    Es ist nur noch eine Stuhlprobe pro Patient anstelle von bisher drei Stuhlproben nötig. Außerdem ist das Verfahren selbst deutlich hygienischer. Mittels des Test-Kits wird aus dem frischen Stuhl eine Probe gewonnen, die dann im Kit zurück an das Labor zur Untersuchung geht. Hier erfolgt eine qualitätsgesicherte Analytik.
     
  • Es ist keine spezielle Diät erforderlich.
    Durch den immunulogischen Nachweis muss beim iFOBT im Gegensatz zum gFOBT keine Diät eingehalten werden (vgl. oben).

 

Wer wird wann getestet ?

Ab dem 01.04.2017 haben alle gesetzlich Versicherten einen Anspruch auf einen iFOBT:
  • 50-55 Jahre: jährlich
  • > 55 Jahre: alle 2 Jahre – als Alternative zu einer alle 10 Jahre durchzuführenden Vorsorgekoloskopie.

 

Wenn der Test positiv wird ?

Der Goldstandard in der Darmkrebsvorsorge bleibt bislang die Darmspiegelung. Doch bei einem positiven iFOBT erfolgt zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung. Im Rahmen dieser kann ein möglicher Polyp direkt abgetragen werden.

Quellen: 1) Krebs in Deutschland 2011/2012. 10. Ausgabe. Robert Koch- Institut.
  2) S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Version 1.1, August 2014. AWMF-Registernummer: 021/007OL.
  3) Durimed Düren