Lagerungsschwindel

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel tritt meist als anfallsartiger Drehschwindel mit einer Dauer bis zu 30sec. auf. Er tritt nach bestimmten Kopfbewegungen auf und verschwindet wieder bei vollständiger Bewegungslosigkeit. Der Verlauf zeigt meist einen spontanen Rückgang der Symptome innerhalb von 2-3 Wochen (selten Monaten).

Zur Erklärung der Schwindelursache bedarf es eines kleinen Ausflugs in die Anatomie und Physiologie des Gleichgewichtssinns.

Das Gleichgewichtsorgan des Menschen

Neben den 5 klassischen Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) gibt es auch noch den Gleichgewichtssinn. Neben Rückmeldungen aus anderen Quellen (Position der Extremitäten, Tastempfindung, Informationen über die Umgebung durch Augen und Ohren) kann der Körper sich so im Raum orientieren.

Das Gleichgewichtsorgan besteht aus je drei Bogengängen, dem Säckchen (Sacculus) und dem Schläuchchen (Utriculus) und ist doppelt angelegt, je einmal rechts und links in der Nähe des Innenohrs. Durch das Vestibularorgan (Gleichgewichtsorgan) kann der Körper liniare Beschleunigungen (Sacculus: vertikale Beschleunigungen, Utriculus: horizontale Beschleunigungen) und Drehbeschleunigungen in allen Raumebenen (3 Bogengänge) erfassen.

Dies gelingt jeweils durch Sinneszellen in den Teilen des Gleichgewichtsorgans, die eine Beschleunigung wahrnehmen. In den drei Bogengängen, Sacculus und Utriculus ist eine sogenannte Endolymphe als Flüssigkeit enthalten. Bei einer Bewegung des Körpers reagiert sie träger und die Sinneshärchen in den Ampullen der Bogengänge, im Sacculus und im Utriculus werden in der Lymphe ausgelenkt. Es kommt zur Erregung. Dies wird durch kleine Kristalle, Otolithen, verstärkt. Eine Erfassung der Linearbeschleunigung in Sacculus und Utriculus wird so erst möglich.

Die Entstehung des Lagerungsschwindels

Es kann nun zum Ablösen der Otolithen kommen, was zum benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel führt. Warum sich die Otolithen im Verlauf des Lebens ablösen können, ist nicht geklärt. Es werden Alterungsprozesse diskutiert, was mit der Häufung im höheren Lebensalter vereinbar wäre. Auch kommt es bei größeren Trauma (Schädelhirntrauma) oder Entzündungen vermehrt zu Abgängen von Otolithen.

Ist es nun zur Ablösung gekommen, führt dies auf der "erkrankten" Seite des Gleichgewichtsorgans zu einer vermehrten Erregung. Während z.B. die linke (gesunde) Seite bereits keine Meldung über eine Bewegung mehr an das Gehirn weiterleitet, sendet die rechte Seite (im Bsp. erkrankt) weiter Signale. Durch die abgelösten Otolithen kommt es zu einer längeren und stärkeren Beschleunigung der Endolymphe. Die Information zwischen rechts und links unterscheidet sich. Da nun das Gehirn nicht weiß, welche Information richtig ist, reagiert es wie üblich auf zwiespältige Informationen: Schwindel.

Häufig gelangen die abgelösten Otolithen in den hinteren Bogengang.

 

 

Lagerungsübung nach Epley

Durch die Lagerungsübungen kann versucht werden, die Otolithen aus den engen Bogengängen wieder in den Utriculus zu verlagern. Nach Diagnosesicherung durch den Arzt führen Sie diese Bewegungsfolge mehrmals täglich aus. Dabei kann ein kurzer Lagerungsschwindel ausgelöst werden. Beenden Sie die Übungen, wenn 24 Stunden lang kein Lagerungsschwindel mehr aufgetreten ist, weder beim Üben noch im Alltag.

Selbstbehandlung des Lagerungsschwindels (links)

Lagerungsübung nach Epley
Setzen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf Ihr Bett. Legen Sie ein dickeres Kopfkissen so hinter sich, dass es später unter Rücken und Schultern liegt. Der Kopf sollte frei bleiben. (vgl. Abb.1)

Nun drehen Sie im Sitzen den Kopf 45° nach links.

Legen Sie sich anschließend rasch nach hinten, auf den Rücken. Die Schultern liegen auf dem Kissen. Der Kopf ist leicht überstreckt. Verweilen Sie in dieser Position ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.1-3)

Drehen Sie nun den Kopf 90° langsam nach rechts ohne ihn dabei anzuheben. Verweilen Sie erneut in dieser Position ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.4)

Rollen Sie nun langsam mit Kopf und Körper weiter auf die rechte Seite. Heben Sie den Kopf nicht an. Der Kopf sollte auch auf der Unterlage mit gedreht werden. Sie liegen schließlich auf der Seite und die Nase berührt die Unterlage (das Bett). Verweilen Sie auch hier erneut ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.5-6)

Winkeln Sie nun die Beine an. Setzen Sie sich rasch auf die Bettkante, indem Sie sich nach links aufrichten. Bleiben Sie hier bis zum Abklingen eines eventuellen Schwindels sitzen. (vgl. Abb.7-8)

Selbstbehandlung des Lagerungsschwindels (rechts)

Lagerungsübung nach Epley
Setzen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf Ihr Bett. Legen Sie ein dickeres Kopfkissen so hinter sich, dass es später unter Rücken und Schultern liegt. Der Kopf sollte frei bleiben. (vgl. Abb.1)

Nun drehen Sie im Sitzen den Kopf 45° nach rechts.

Legen Sie sich anschließend rasch nach hinten, auf den Rücken. Die Schultern liegen auf dem Kissen. Der Kopf ist leicht überstreckt. Verweilen Sie in dieser Position ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.1-3)

Drehen Sie nun den Kopf 90° langsam nach links ohne ihn dabei anzuheben. Verweilen Sie erneut in dieser Position ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.4)

Rollen Sie nun langsam mit Kopf und Körper weiter auf die linke Seite. Heben Sie den Kopf nicht an. Der Kopf sollte auch auf der Unterlage mit gedreht werden. Sie liegen schließlich auf der Seite und die Nase berührt die Unterlage (das Bett). Verweilen Sie auch hier erneut ca. 30 Sekunden. (vgl. Abb.5-6)

Winkeln Sie nun die Beine an. Setzen Sie sich rasch auf die Bettkante, indem Sie sich nach rechts aufrichten. Bleiben Sie hier bis zum Abklingen eines eventuellen Schwindels sitzen. (vgl. Abb.7-8)