Pulswellenanalyse

kurze Begriffserläuterungen…

Amplifikation

Pulsdruck-Amplifikation

 

Die Amplifikation (lat. amplificatio = Ausweitung) beschreibt, dass bei gesunden, elastischen Gefäßen der systolische Blutdruck von der Aorta nach peripher zunimmt, während der diastolische und der mittlere arterielle Blutdruck sich kaum verändern. Bei steigender arterieller Gefäßsteifigkeit nimmt die Pulsdruck-Amplifikation ab und der zentrale Druck nähert sich dem peripheren an.

Augmentation

Pulswelle: Verlauf im Alter

 

Als Augmentation (lat.: augmentatio = Vermehrung) bezeichnet man das Zusammentreffen der vorwärtsgerichteten Pulswelle und der Reflexionswelle im Gefäßsystem. Beschrieben wird dies auch im Augmentationsindex (Aix).

Das erste Druck-Maximum (P1) resultiert aus dem Auswurf des Blutes vom Herzen (vorwärtsgerichtete Druckwelle). Diese Druckwelle wird an Verzweigungen der Arterien und Arteriolen reflektiert. Die reflektierte Druckwelle spiegelt sich im zweiten Maximum (P2) wider.

In der 2. Abbildung zeigt sich ein verfrühtes Eintreffen der Reflexion. Dies ist bedingt durch eine verminderte Elastizität der Gefäßwand und eine daraus resultierende gesteigerte Pulswellengeschwindigkeit (Je steifer die Gefäße, desto schneller pflanzt sich die Pulswelle im Gefäß fort.). Die Reflexion (P2) fällt mit der ursprünglichen Druckwelle (P1) zusammen. Es kommt zu einer initialen Erhöhung des Blutdrucks (= positive Augmentation).

Mit zunehmendem Alter nähert sich die Kurve 1 der Kurve 2 an. Sie spiegelt die "Alterung" der Gefäße wider.

kardiovaskuläres Risiko

Das kardiovaskuläre Risiko bezeichnet eben das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass eine kardiovaskuläre Erkrankung im Leben oder in einem bestimmten Folgezeitraum (meist 10 Jahre) auftritt. Kardiovaskulär setzt sich aus kardial (= das Herz betreffend) und vaskulär (= die Gefäße betreffend) zusammen. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind eine Gruppe von Erkrankungen, die vom Herz und/oder Gefäßsystem ausgehen bzw. es betreffen. Klassische Vertreter dieser Gruppe sind der Herzinfarkt und der Schlaganfall. Im engeren Sinne kann auch nur das Herz und seine Blutversorgung (KHK = koronare Herzkrankheit) gemeint sein. Weiter gefasst aber auch die Hypertonie (Bluthochdruck) oder die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) sowie Herzinsuffizienz, Aneurysmen, Rhythmusstörungen, …

Zu den Risikofaktoren zählen:

  • arterielle Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechelstörungen (Lp(a)↑ Triglyceride↑ LDL↑; HDL↓)
  • Nikotinabusus
  • familiäre Belastung / genetische Faktoren
  • männliches Geschlecht
  • Alter

… mehr zu kardiovaskulärem Risiko / Endorganschaden / … (in Hypertonie)  … 

Morbidität und Mortalität

Die Morbidität gibt an, wie viele Individuen einer Population an einer Erkrankung leiden (Es ist weiter eine Unterscheidung in Neuerkrankungen [Inzidenz] oder Gesamtheit der Erkrankten [Prävalenz] in einem Beobachtungzeitraum möglich). Während die Mortalität die Anzahl der Todesfälle aufgrund einer Erkrankung beschreibt.

Nachlast

Als Nachlast (auch afterload) werden die Kräfte bezeichnet, die dem Blutauswurf aus der Herzkammer entgegenstehen. So entspricht die Nachlast der Kraft, die vom Herzmuskel aufgebracht werden muss, um das Blut in die Aorta oder A. pulmonalis zu pumpen.

Verschiedene Faktoren können die Nachlast erhöhen: art. Hypertonie, Klappenstenose,…

Um die gesteigerte Nachlast zu überwinden, wird die Herzmuskulatur entsprechend hypertrophieren. Um mögliche Folgen (Dilatation des Ventrikels, Herzinsuffizienz,…) zu verhindern, sollte versucht werden die Nachlast zu normalisieren.

Pulsdruck (puls pressure)

Pulsdruck bei der Pulswelle

 

Als Pulsdruck, auch puls pressure, bezeichnet man die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck (PD = RRsyst - RRdiast): also z.B. bei 130/80mmHg: 130mmHg - 80mmHg = 50mmHg. Üblicherweise erhält man den Wert aus der Differenz der Mittelwerte einer 24h-Blutdruckmessung (vgl. auch ABDM) oder einer Pulswellenanalyse.

Pulse pressure ist neben der Pulswellengeschwindikgeit ein indirekter Messparameter der Elastizität der Blutgefäße.

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Windkessel

Als Windkessel bezeichnet man ein Reservoir in einem Pumpensystem, das mittels Speicherung von Energie einen Ausgleich von Druckschwankungen ermöglicht. Meist befindet er sich direkt hinter dem Druckerzeuger. Die Reservoirfunktion des Windkessels kann hierbei auf vielerlei Weisen erreicht werden.

So zeigt sich noch bei der Schwengelpumpe, ohne "echten Windkessel", ein unterschiedlicher Wasserfluss je nach Pumpphase. Bei schnellerem Pumpen wird bereits in der Wassersäule über dem Ausguss eine gewisse Wassermenge bzw. Energie gespeichert. Bei einer Pumpe mit Windkessel wird meist Wasser in einen mit Luft gefüllten Behälter gepumpt (häufig Trennung mit Membran). Hier wird dann die Energie im Luft- oder Gasdruck gespeichert und steht zum Ausgleich während der Pumpenfüllung zur Verfügung.

 

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Strompuls

Der Strompuls bezeichnet die rhythmischen Schwankungen des Blutflusses entsprechend des Herzzyklus. Je nach Auswurfleistung des Herzens (Herzminutenvolumen) und Gefäßquerschnitt finden sich unterschiedliche Geschwindigkeiten. Hierbei stehen die Geschwindigkeit und der Gesamtquerschnitt der Gefäße in einem antiproportionalen Verhältnis. Also je weiter sich der Gefäßbaum aufzweigt, je größer der Gesamtquerschnitt wird, um so geringer wird die Geschindigkeit. So findet man in der Aorta mit einem Querschnitt von ca. 4cm² eine Geschwindigkeit von ca. 20cm/s. Hingegen mißt man in den Kapillaren mit einem deutlich höheren Gesamtquerschnitt nur noch 0,03 cm/s.