Pulswellenanalyse

Geschichte der Pulswelle

Thomas Sydenham

Bereits der Arzt und Vater der englischen Medizin Thomas Sydenham (1624-1689) prägte den Ausdruck: "A man is as old as his arteries" (= Ein Mensch ist so alt wie seine Gefäße). Aber erst dem französischen Physiologen Étienne-Jules Marey (1830-1904) gelang die Darstellung der Pulskurve. Über einen selbst konstruierten Ballonkatheder konnte er den wechselnden Druck im Gefäß und im Herzen beim Pferd messen (direkte Blutdruckmessung). Durch diese invasive intrakardiale Druckmessung gelang es ihm erstmalig die Zeitbeziehungen von Systole, Diastole und arteriellem Puls zu dokumentieren (1861-1863). Auch konstruierte er ein Gerät zur indirekten Messung und Aufzeichnung des Radialispulses beim Menschen, den Sphygmographen (1859)1.

Der Physiologe Frederick Akbar Mahomed zeigte bereits Unterschiede im Verlauf der Pluskurve bei Gesunden und Hypertonikern (damals Patienten mit Bright's disease = chronische Nephritis → renale Hypertonie).

 
Étienne-Jules Marey
Katheder zur invasiven Blutdruckmessung beim Pferd
Étienne-Jules Marey
intrakardial gewonnene Pulsdruckkurven mit Zuordnung der Phasen der Herzaktion
Étienne-Jules Marey
Entwurf des Sphygmographen
 

Im Verlauf der Zeit verlor man die Pulskurve aus den Augen. Mit der Verbreitung der indirekten Blutdruckmessung über eine Manschette am Oberarm oder später am Handgelenk wurden lediglich die beiden Extrema (systolischer und diastolischer Blutdruck) bestimmt. Dieser Rückschritt im Informationsgehalt zwischen der Aufzeichnung der Pulskurve und einer simplen Blutdruckmessung war bzw. ist sicherlich auch dem Aufwand der Messung geschuldet.

 

 

 

 

 

Doch heute stehen uns durch moderne Messverfahren (wieder) indirekte Messmethoden zur Verfügung. Durch diese erlangt die Pulskurve eine Renaissance. Weiter zeigte sich in Studien die Bedeutung der Pulskurve neben der simplen Bestimmung des systolischen und diastolischen Blutdrucks.

So steht zum einen die allgemein als "Gefäßalter" bezeichnete Beurteilung in einer engeren Beziehung zum kardiovaskulären Risiko als die "normale" Blutdruckmessung. Denn selbst bei normalen bzw. nur geringer abweichenden Maxima kann der Verlauf der Druckkurve bereits deutlich verändert sein. So trägt die Analyse zu einer Risikobewertung und ggf. zu einer Therapieentscheidung bei.

Zum anderen kann mittels der Pulswelle auch der Effekt einer blutdrucksenkenden Therapie (z.B. β-Blocker vs. ACE-Hemmer oder AT1-Blocker) besser beurteilt und evtl. angepasst werden. Sie ergänzt so die Blutdruckmessung in der individuellen Therapiesteuerung und Verlaufskontrolle.

Quellen: 1) Marey EJ. Physiologie Medicale du Sang. Paris: 1863
  Pulswellen-Analyse deckt das Alter der Gefäße auf - M. MIDDEKE
  Wikipedia